Barrierefreiheit

„Barrierefreiheit für Autisten, das wäre cool.“

Dieses Zitat aus dem 3sat-Beitrag „Hochbegabt mit Handicap“ über die Firma Specialisterne und die Arbeitsplatzsituation von AutistInnen, der gestern Morgen gezeigt wurde, hat mich nachdenklich gemacht, obwohl meine erste Reaktion ein unbedingt zustimmendes „Au ja“ war. Barrierefreiheit für AutistInnen, das müsste doch jetzt, wo alle von Inklusion sprechen, selbstverständlich sein. Ist es aber nicht. Dementsprechend folgte in einer zweiten Reaktion die Frage nach dem Warum. Barrieren gibt es schließlich genügend. Aber im Gegensatz zu anderen Behinderungen sind sie bei autistischen Menschen individuell verschieden und für Außenstehende in der Regel nicht sichtbar wie zum Beispiel eine Treppe als eindeutiges Hindernis für RollstuhlfahrerInnen sofort für alle erkennbar ist. Wenn man bedenkt, wie schwierig häufig schon die Umsetzung der Barrierefreiheit für gehbehinderte Menschen ist und wie oft sie an finanziellen Mitteln scheitert, dann wird schnell klar, dass Barrierefreiheit für AutistInnen in vielen Bereichen nur eine Illusion bleiben wird. Dabei wären manche Hindernisse leicht und ohne großen Kostenaufwand zu beseitigen.

Die Beseitigung von Barrieren fängt im Kopf an

Grundvoraussetzung für Barrierefreiheit ist, dass Menschen diese überhaupt wollen und dass sie sich Gedanken darüber machen, wie Barrieren beseitigt werden können – auf beiden Seiten. Solange die Barrieren in den Köpfen der Menschen verbleiben, wird eine inklusive Gesellschaft nicht möglich sein. Leider scheint der Abbau der Kopfbarrieren ein sehr schwieriger und langwieriger Prozess zu sein. Das wird deutlich, wenn man sich ansieht, wie schleppend die Behindertenrechtskonvention umgesetzt wird.

Informationsbroschüre zur Barrierefreiheit für autistische Menschen

Der zweite Punkt ist, die Barrieren zu benennen, denen autistische Menschen im Alltag begegnen, die sie an einer Teilhabe an der Gesellschaft hindern. Da sie sehr vielfältig sind und nicht bei allen autistischen Menschen gleich, möchte ich in diesem Artikel gerne eine Liste aller möglichen Barrieren erstellen und parallel dazu Ideen zur Beseitigung dieser Barrieren sammeln.

Interessierte können hier ihre Wünsche oder Vorschläge in Kommentaren äußern oder über das Kontaktformular per Mail. Ich werde die Liste euren Ideen entsprechend aktualisieren mit dem Ziel, eine Informationsbroschüre zur Barrierefreiheit für AutistInnen zu entwerfen, die dann über den Blog als PDF-Datei heruntergeladen und ausgedruckt werden kann.

Eine Auflistung möglicher Barrieren und entsprechender Lösungsvorschläge sind in der Rubrik Barrieren zusammengefasst. Für Wünsche, die sich auf eine barrierefreie Teilhabe an der Gesellschaft und im Arbeitsleben beziehen, habe ich die Rubrik Wünsche eingerichtet.

1 Gedanke zu “Barrierefreiheit”

  1. Silvia sagte:

    Barrieren für mich:

    – Musikbeschallung in vielen Geschäften. (Besonders unangenehm für mich: Moderne, extrem rhythmusbezogene Musik)

    – Supermärkte, die mehrmals im Jahr ihren gesamten Markt komplett umräumen. (z.B. Lidl). Klar, dann müssen sich alle Kunden neu orientieren und finden dabei sicher jede Menge neue Produkte, die sie kaufen können – aber für mich als Autist bedeutet das Extremstress über mehrere Wochen hinweg. Und wenn ich endlich wieder den Überblick habe, wo im Laden was zu finden ist, räumen sie schon wieder alles um!

    – Der Einsatz von Duftstoffen in Läden. Was „normale Menschen“ als angenehm empfinden ist für mich bereits brechreizerregend!

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