Schlagwörter

, ,

Zu viel.
Zu viele Menschen.
Zu viele Stimmen.
Zu viele Worte.
Zu viele Gedanken.
Meine Gedanken, die nicht hinaus können, weil alles in mir blockiert ist.
Ich bin erstarrt. Alles in mir ist erstarrt. Auch meine Stimme.
Ich möchte etwas sagen, aber es geht nicht. Mein Mund formt die Worte nicht.
Ihre Worte sind zu viel.
Sie lassen mich schweigen, obwohl ich nicht schweigen will.
Ich komme nicht an gegen ihre Worte. Zu viele Worte, die mich erdrücken wie eine schwere Last. Ich bin nur Zuhörerin, obwohl es auch um meine Zukunft geht. Und um meine Bedürfnisse. Aber die spielen keine Rolle. Sie werden mir sogar vorgeworfen, als hätte ich kein Recht darauf. Kein Recht darauf, nein zu sagen.

Sie haben ihre Entscheidung bereits vor diesem Gespräch getroffen.
Damit bin ich überfordert.
Ich brauche Zeit. Zeit, mich mit ihrer Entscheidung auseinanderzusetzen.
Zeit, eine eigene Entscheidung zu treffen. Zeit.
Aber ich weiß nicht, ob sie mir diese Zeit lassen.

Ich fühle mich hilflos. Überrannt.
Von Entscheidungen überrannt, die ich nicht aufhalten kann.
Ich habe keine Wahl. Mit jedem weiteren ihrer Worte wird die Angst größer, dass ich keine Wahl habe, dass ich ihre Entscheidung werde akzeptieren müssen, dass es in ihren Köpfen keine andere Möglichkeit gibt.
Aber mein Kopf will nicht. Aufnahmestopp. Rien ne va plus. Ich kann nicht mehr.
Doch das alles sehen sie nicht. weil die Angst in mir bleibt. Und die Überforderung.
Es fällt mir immer schwerer, ihren Worten zu folgen.
Manchmal vermischen sich die vielen Stimmen zu einem Geräuschbrei.
Da sind keine Worte mehr, nur Geräusche. Lippengeräusche.
Und zwischendurch Geräusche hinter den Fenstern. Das Zuschlagen einer Autotür. Sirenen eines Krankenwagens. Ein Flugzeug. Laut. Viel zu laut.

Ich benötige Ruhe, um nachzudenken über die Konsequenz ihrer Worte.
Ruhe und Zeit. Viel Ruhe und viel Zeit, ihre Entscheidung zu verarbeiten.
Sie wollen ein schnelles Ja, um das Gespräch beenden zu können.
Doch die Forderung nach einem schnellen Ja setzt mich unter Druck.
Ich spüre, wie die Angst in meinem Innen-Sein immer größer wird.
Größer und unerträglicher.
Sie verstehen mich nicht. Auch nicht mein Schweigen, welches bedeutet, dass ich überfordert bin. Dass ich etwas sagen möchte, es nur in dieser Situation nicht mehr kann, weil alles in mir erstarrt ist.

Während ich mich noch darauf konzentriere, die Lippengeräusche ihren Mündern zuzuordnen und in meinem Kopf langsam in Worte zu fassen, ensteht um mich herum plötzlich stuhlrückender Lärm – eine Unruhe, die sich im ganzen Raum ausbreitet.
Das Gespräch scheint beendet, zumindest aus ihrer Sicht. Sonst würden sie nicht herumgehen und sich gegenseitig die Hände schütteln.

Ich habe noch viele Fragen, zu viele, um das Gespräch für mich beenden zu können. Fragen, die mir nun keiner von ihnen mehr beantworten wird, weil es ungehörte Fragen sind, die ungehört bleiben werden. Ungehört, weil ich sie nicht stellen kann.
Wie soll ich sie stellen, so lange alles in mir erstarrt ist?
„Halt!“ schreit es in meinem Innen-Sein, aber meine Lippen bewegen sich nicht.
Kein einziges Wort findet den Weg nach außen.
Ich bin viel zu erschöpft. Erschöpft von ihren Worten. Von Worten, auf die ich nicht vorbereitet war. Von zu vielen Worten, die jetzt in meinem Kopf herumschwirren. Unsortiert. Fordernd. Überfordernd.

Ich habe verloren.
Ich habe verloren, weil ich nicht sagen konnte, was mir wichtig war.
Ihre Worte haben mich überrannt.
Zu viele Worte.
Zu viele Menschen.
Zu viel.