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Ich bin wütend.
Wütend, dass mir das autistische Sein wieder einmal im Weg steht.
Dass es mich wieder einmal daran hindert, die einfachsten Dinge zu erledigen.
Dass ich auf Hilfe angewiesen bin.
Dass ich einen IQ von 142 habe und dennoch zu blöd bin, ein Formular auszufüllen und ein wichtiges Telefonat zu führen.
Ich fühle mich so hilflos. Und dies Hilflosigkeit macht mich wütend.

Am liebsten würde ich mit dem Kopf gegen die Wand rennen.
Weil diese Wut mich überrollt.
Ich muss mich bewegen. Kann nicht ruhig sitzen.
Esse. Seit Stunden. Stopfe alles mögliche in mich hinein. Unkontrolliert.
Weil das Essen beruhigt. Zumindest für den Moment.
Wenn ich nicht esse, kratze ich die gerade verheilten Wunden meiner rechten Hand wieder auf.

Alles ist durcheinandergeraten in mir. In meinem Innen-Sein.
Weil diese Wut mich überrollt und andere Gefühle, die ich nicht einmal beschreiben kann.
Und in meinem Kopf. Ein Gedankenchaos.
Ich kann nicht. Ich will nicht.
Will keine Veränderungen, keine spontanen Änderungen im Tagesablauf.
Ich schaffe das nicht. Ich bin überfordert damit.
Vor allen Dingen bin ich überfordert mit diesem Gefühlsknäuel in mir und der Wut über meine Hilflosigkeit. Der Wut darüber, dass Kleinigkeiten sofort ein solches Chaos in mir auslösen und ich das nicht verhindern kann.

„Rege dich nicht immer gleich so auf. Es ist doch alles halb so schlimm.“
Doch, es ist schlimm. Für andere vielleicht nicht, aber für mich.
Überall in meinem Körper spüre ich, dass es schlimm ist.
Dass ich damit überfordert bin.
Dass sich alles in mir sträubt und das Fühlen laut schreit in meinem Innen-Sein.
Dass ich es nicht kontrollieren kann, dieses Gefühlsknäuel.

Wut ist in mir – Wut, die hinaus drängt, aber keinen Weg findet.
Schreien möchte ich und bleibe doch stumm.
In Wut erstarrt.
Wortlos, obwohl mein Kopf bis zum Zerbersten überfüllt ist mit Gedanken, die laut werden wollen, laut werden müssen.
Ich will nicht schweigen – immer nur schweigen und diese Wut ertragen, die in mir ist.

Aber die meisten Außen-Menschen verstehen meine Wut nicht.
Ich sei schließlich eine erwachsene, intelligente Frau.
Habe ich deshalb kein Recht darauf, wütend zu sein?
Kein Recht, meine Wut zu artikulieren, weil die Außen-Menschen sie nicht verstehen?
Weil sie mich nicht verstehen. Mein autistisches Sein nicht verstehen.

Selbst das Medikament am Abend hilft nicht.
Die Unruhe in mir bleibt.
Und dieses Gefühl der Hilflosigkeit, kurzfristige Veränderungen nicht aushalten zu können und mit der Situation überfordert zu sein.
Mit einer Situation, die für andere nur eine Kleinigkeit ist und für mich im Augenblick nicht zu bewältigen scheint.
Ich schäme mich dafür, kann aber dennoch nichts daran ändern.
Weder an der Hilflosigkeit, noch an dem Wütend-Sein in mir und dem Gefühlsknäuel, welches mich immer noch überrollt, welches sich nicht löst, solange ich das Fühlen nicht benennen kann.