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Es fällt mir schwer zu entspannen, wenn alles fremd ist.
Wenn ich weit weg bin von allem, was mir vertraut ist.
Aber das Fremde erfordert auch, dass ich mich auf jeden Schritt konzentrieren muss und kaum Zeit bleibt für die Gedanken und Ängste der letzten Tage.
Hier bin ich unerreichbar und das gibt Sicherheit.
Sicherheit, die ich im Moment dringender benötige als sonst.
Jedoch eine andere Sicherheit als jene, die mir Vertrautes gibt.
Das Vertraute fehlt mir.
Obwohl ich so viel wie möglich von zuhause mitgenommen habe, um ein Vertraut-Sein zu schaffen, bleibt vieles fremd und bewirkt, dass ich sehr schnell erschöpft bin und müde.  So müde, dass ich schon am frühen Abend im Bett liege und dank des Medikaments früh und lange schlafe.

Am Morgen fällt das Aufstehen schwer.
Die Aus-Zeit droht für einen Moment zu scheitern, weil es keinen gebratenen Speck zum Frühstück gibt und mein Sohn schimpft und schreit.
Ich kann seinen Wutausbruch nicht ertragen und die Lautstärke seiner Worte.
Warum gibt es ausgerechnet in diesem Hotel keinen Speck zum Frühstück?
Es hat bisher in jedem Hotel gebratenen Speck am Büffet gegeben.
Warum nicht hier?
Ich werde beim nächsten Mal vorher fragen müssen.
Denn auch mein Sohn braucht Vertrautes und mag Abweichungen von der Routine nicht.
Er will Speck, nichts anderes.
Und er will nach Hause – am liebsten sofort.
Weil es dort Speck gibt.

Ich bleibe, obwohl mir die Kraft für weitere Auseinandersetzungen fehlt.
Die Sehnsucht nach Stille wächst.
Einer Stille in mir, die mich von allem Außen trennt.
Einer Stille, die nicht nur in mir ist, sondern mich zusätzlich umhüllt und vor allem schützt, was mich zur Zeit so sehr unter Druck setzt.
Stille ist, wenn das Außen schweigt.
Aber das Schweigen ist nur Stillstand, weil ich hier unerreichbar bin.
Und ich weiß nicht, ob ich aus der Unerreichbarkeit genug neue Kraft werde schöpfen können.
Zumindest schafft sie es, dass ich mich auf andere Dinge konzentrieren muss.
Auf fremde Dinge, die nicht automatisch ablaufen, sondern genau geplant werden müssen.
Das ist sehr anstrengend, lenkt mich aber ab.
Manchmal bin ich so erschöpft, dass ich eine Pause machen muss.
Mich setzen und Luft holen muss in einem der kleinen, gemütlichen Cafés, in denen es nicht vor fremden Menschen wimmelt.

Den Tagen fehlt die Leichtigkeit.
Die Schwere macht müde und sorgt für lange, ruhige Nächte mit sehr viel Schlaf, den mir das Medikament möglich macht, gegen das ich mich so lange gewehrt habe, weil ich Medikamente nicht mag. Jetzt bin ich froh, dass es mir hilft, mich zu entspannen.

Die Schwere am Tag empfinde ich nicht als Belastung, sondern als wichtiges Zeichen dafür, auf meinen Körper zu achten und mich zu schonen.
Lange Zeit habe ich nicht gespürt, wenn ich meine Grenze erreicht habe.
Jetzt spüre ich diese ganz deutlich und achte darauf, sie nicht zu überschreiten.
Dazu fehlt mir auch die Kraft.
Ich muss meine Kraft genau einteilen, weil es keine Reserven mehr gibt.

Vier Tage sind kurz.
Zu kurz, um erholt zu sein.
Aber die Langsamkeit, die ich auf Grund meiner Erschöpfung zum ersten Mal in meinem Leben bewusst leben musste, hat mir etwas Wichtiges gezeigt.
Ich hoffe, dass ich einen Teil davon mitnehmen und beibehalten kann als Mittel, in künftigen Stresssituationen rechtzeitig „Stopp“ sagen zu können.
Stopp, ich kann nicht mehr. Ich brauche eine Pause.