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Heute war ein Tag, der mir deutlich gemacht hat, dass es Grenzen gibt, die ich nicht noch einmal überschreiten möchte.
Meine Hände sind zerkratzt und die wunde Haut brennt.
Es läuft etwas falsch, wenn der Druck im Innen-Sein so unerträglich ist, dass ich unentwegt kratzen muss und meine Hände nicht kontrollieren kann.
Dass ich schweige, obwohl ich laut schreien möchte und erstarrt sitzen bleibe, obwohl ich am liebsten weglaufen will.

Warum lasse ich es zu, dass das Außen mich überrennt und in mein Innen-Sein eindringt?
Warum sitze ich dort und ertrage es, dass wieder etwas über meinen Kopf hinweg und gegen meinen Willen entschieden wird?

Alleine diesen Termin wahrzunehmen hat mich so viel Kraft gekostet, dass nichts mehr davon übrigbleibt, um „Ich will nicht“ zu sagen.
Ich muss mich darauf konzentrieren zu funktionieren und dem Gespräch trotz der Lautstärke in dem Café zu folgen, damit ich jedes Wort abspeichern und das Gesagte anschließend zuhause in Ruhe analysieren und darauf reagieren kann. Spontan zu reagieren ist mir unmöglich.
Deshalb schweige ich. Weil ich die passenden Worte nicht finde und das Zuviel an Gefühlen erst sortieren muss, welches ihre Worte und ihr Handeln auslösen und mit dem ich in der Situation selber überfordert bin.
Außerdem muss ich mein Innen-Sein schützen vor einer Überflutung von Außeneinwirkungen, damit ich weiter funktionieren kann und nicht die Kontrolle darüber verliere.
Das Zurückziehen in das Erstarrt-Sein ist die einzige Möglichkeit, die mir bleibt.

Die halbe Stunde, die wir vereinbart haben, ist längst vorbei.
Ich muss gehen. Ich kann nicht mehr. Nicht einmal sagen, dass ich den Druck in meinem Innen-Sein nicht mehr lange aushalte.
Sie, die ich heute kennenlernen musste und mit der ich mich in Zukunft regelmäßig treffen soll, bleibt sitzen, so dass wir das Café verlassen müssen.

Ich will nach Hause. So schnell wie möglich an den Ort, der mir wieder Sicherheit gibt und mich vor Fremdem schützt.
Ich weiß nicht, wie ich es schaffen soll, das nächste Mal ohne sie dort hinzugehen.
Ohne einen Menschen, der mir vertraut ist und Halt gibt.
Ich bin so erschöpft, dass mir das Reden mit ihr zu schwerfällt, sie zu fragen, ob sie mich für einen Moment festhalten kann. Die meisten Worte bleiben in mir, obwohl sie mir viele Fragen stellt. Fragen, die ich nicht beantworten kann. Aber sie versteht, dass ich überfordert bin und drängt nicht.

Heute bin ich erleichtert, als sie geht und ich endlich alleine bin. Regungslos da sitze und nichts mehr um mich herum wahrnehme als die Kratzer auf meinen Händen, die sich ganz rau anfühlen.
Und dann kommt sie ganz plötzlich, die Reaktion auf das Gespräch im Café.

So kann es nicht weitergehen, so will ich das nicht.
Dass Hilfe zur Belastung wird und mir die Kraft nimmt, im Alltag zu funktionieren.
Dass Hilfe neuen Stress schafft, statt mich zu entlasten.
Dass ich mich an die vorgeschriebene Form der Hilfe anpassen muss und diese nicht meinen Bedürfnissen angepasst wird.
Dass ich nicht entscheiden kann, was mir gut tut und mich entlastet.
Dass mich das Gefühl bedrängt, fremd bestimmt zu werden.
Dass ich zu etwas gezwungen werde, was ich nicht will.

Wenn das langfristig der einzige Weg ist, Unterstützung zu bekommen, werde ich diesen Weg verlassen müssen. Weil es unter diesen Bedingungen kein gangbarer Weg mehr für mich ist.

Diese Gedanken machen mir Angst.
Sie nehmen zu viel Raum ein. Viel zu viel Raum.
Und verbrauchen alle Kraft, die ich für die anderen bevorstehende Entscheidungen dringend benötige. Entscheidungen, die ich nur treffen kann, wenn die Sicherheit zurückkehrt, die ich gerade verloren habe.

Ich brauche Abstand. Muss meine Gedanken sortieren und das Fühlen aufhalten, das mich überrennt. Muss wieder funktionieren. Funktionieren. Funktionieren.

So schnell wie möglich wieder funktionieren, weil ich am Nachmittag einen Termin habe, den ich unbedingt einhalten muss, weil ich dort reden kann. Dort ist Raum für alle Gedanken und das Fühlen, was ich jetzt unterdrücken muss, um funktionieren zu können. Um den Weg dahin überhaupt zu schaffen.

Erschöpft bin ich, als ich dort ankomme. Erschöpfter noch als am Vormittag nach dem Gespräch im Café. Zu erschöpft, um darüber zu sprechen, was in mir ist.

So bleibt alles in meinem Innen-Sein. Außer den Kratzern auf der rechten Hand, die ich nicht verbergen kann.