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Ein Satz aus meiner Kindheit.
Seit Wochen schwirrt er – aus aktuellem Anlass – in meinem Kopf herum.
Ich will mich nicht zwingen lassen. Will, dass meine Entscheidung akzeptiert wird.
Ich kann sehr gut selber entscheiden, was Glück für mich ist.
Konnte es damals schon.
Aber viele Menschen glaubten, besser zu wissen, was gut für mich ist.
Manche glauben es heute noch und treffen Entscheidungen über meinen Kopf hinweg.
Immer und immer wieder.
Obwohl ich es nicht will.

Ich werde es nicht zulassen.
Werde nicht zulassen, dass sie ihre Entscheidung bereits getroffen haben, ohne mit mir darüber gesprochen zu haben und Rücksicht auf meine Bedürfnisse zu nehmen, weil sie glauben, besser zu wissen, was mein Glück ist.
Ich werde mich nicht mehr zwingen lassen.
Glück und Zwang sind zwei Dinge, die nicht zusammenpassen.
Wenn mich jemand zwingt, etwas zu tun, dann mache ich dieses Etwas nicht freiwillig.
Dann widerspricht es meinen Vorstellungen und der Entscheidung, die ich getroffen habe.
Für mich getroffen habe.

Ich soll lernen, mehr auf meine Bedürfnisse zu schauen und auf mich zu achten.
Doch das kann ich nicht, solange Menschen immer wieder glauben, besser zu wissen, was gut für mich ist und mir ihre Entscheidung aufzwingen.

Ich will, dass die Menschen, die mich unterstützen, mit mir gemeinsam nach Lösungen suchen und nicht über meinen Kopf hinweg.
Ich weiß genau, was richtig für mich ist und mir hilft.
Ich weiß genau, was ich ich benötige, was mein „Glück“ ist.
Ich spüre sehr genau, was mir gut tut, weil mein Innen-Sein in solchen Momenten entspannt.
Nur bleiben die Worte oft in mir, finden den Weg aus meinem Innen-Sein nicht.
Weil ich nicht gelernt habe, über meine Bedürfnisse zu sprechen.
Weil andere immer glaubten, besser zu wissen, was gut für mich ist.
Weil ich zu meinem Glück gezwungen wurde und niemand bemerkte, dass ich nicht glücklich war.

Zwingen musste man mich besonders dann, wenn ich vor etwas Angst hatte.
Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Angst ist immer der wichtigste Faktor, wenn es darum geht, zu entscheiden, was gut für mich ist. Wenn mir etwas Angst macht, kann es mir weder helfen noch kann es mich glücklich machen. Dann setzt es mich lediglich einem enormen Stress aus, der – wenn ich mich nicht zurückziehe – auf Dauer zu einem Zusammenbruch führt.

Sie glaubten, ich würde meine Ängste überwinden, wenn ich das Glück erst einmal erkannte, was hinter ihrem Zwang stand, etwas zu tun.
Aber ich sah kein Glück.
Nahm nur die Angst wahr und den Wunsch, mich zurückzuziehen.
Und ihre Freude darüber, dass sie mich zum Glück hatten zwingen können.
Zu ihrem Glück – nicht zu meinem.

Als ich älter wurde, entwickelte ich zahlreiche Vermeidungsstrategien.
Ich lernte, mich dem Zwang der anderen zu widersetzen.
Sie nannten es Sturheit und bezeichneten mich als aufsässig und faul.
Mir war das gleichgültig, solange ich mich dadurch der Angst vor einer Situation oder einem Menschen entziehen konnte.

Aber Angst auslösende Situationen grundsätzlich zu vermeiden, hieß auch, einige Ziele nicht erreichen zu können und meine Bedürfnisse immer häufiger in den Hintergrund zu stellen.
Erst durch die Auseinandersetzung mit meiner Diagnose habe ich gelernt, meine Ängste zu erkennen und benennen zu können. Sie nach außen hin sichtbar zu machen.
Auf diese Weise können die Ängste in Entscheidungen mit einbezogen und akzeptiert werden unter der Voraussetzung, dass man mit mir gemeinsam nach Lösungen sucht und nicht über meinen Kopf hinweg entscheidet.

Ich habe ein Recht darauf, dass man meine Ängste ernst nimmt und respektiert.
Ich habe ein Recht darauf, dass man mich nicht zu meinem Glück zwingt, sondern gemeinsam mit mir nach einem Weg sucht, dieses Glück zu finden.
Denn Glück kann ich nicht finden, wenn der Weg dorthin durch Zwang zu einem
unüberwindbaren und krank machenden Stressfaktor wird.

Dass man dich immer zu deinem Glück zwingen muss.
Nein, dass muss man nicht.
Ich finde mein Glück auch alleine.
Und dort, wo ich Unterstützung benötige, braucht es nur, dass man mir zuhört und meine Bedürfnisse wahrnimmt, auch wenn diese möglicherweise anders sind als gewöhnlich.
So, wie ich anders bin.