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Seit Tagen wächst in mir die Angst vor diesem Gespräch, weil ich dessen Verlauf nicht planen kann. Ich spüre, dass etwas auf mich zukommen wird, womit ich mich nicht auseinandersetzen will. Etwas, wozu mir die Kraft fehlt. Am liebsten möchte ich mich zurückziehen, den Termin einfach nicht wahrnehmen, solange der Ausgang des Gesprächs unvorhersehbar bleibt.
Die Angstworte begleiten mich den ganze Tag und lassen mich in der Nacht nicht schlafen, obwohl ich müde bin und mich danach sehne, die Gedanken einmal abschalten zu können.
Das Fühlen in meinem Innen-Sein sagt mir, dass etwas anders ist als sonst.
Dass etwas um mich herum geschieht, was ich nicht aufhalten kann.
Es gibt keine Gewissheit und die Sicherheit fehlt, an der ich mich festhalten kann.
Ich will nicht zählen, weil die Stunden viel zu schnell vergehen und ich die Sätze nicht formulieren kann, die möglicherweise gesprochen werden.
Wenn ich die passenden Worte jetzt nicht finde, werde ich nächste Woche schweigen.
Wird alles in mir bleiben. Verschlossen.

Dieses Fühlen in mir verunsichert mich.
Weil ich es nicht erklären kann.
Weil es mich überrennt.
Immer und immer wieder.

Ich muss üben. Jeden Satz, jedes Wort üben, damit es sich einprägt und das Gespräch vorhersehbarer wird. Aber wie kann ich Antworten üben, wenn ich die Fragen nicht weiß?

Es ist 2.16 Uhr und ich laufe im Wohnzimmer auf und ab.
Suche nach Worten. Und nach Sicherheit.
Sicherheit, die für einen Moment zurückkehrt, während ich die festgelegte Anordnung meiner Plüschtiere auf der Couch immer und immer wieder herstelle und darauf achte, dass sich nichts verändert in der Reihenfolge oder der Art, wie sie nebeneinander sitzen.

Menschen sind ein großer Unsicherheitsfaktor.
Ihr Handeln und ihre Worte sind unvorhersehbar.
Selbst das Handeln und die Worte jener, die mir vertraut sind.
Ihr Verhalten erscheint mir oft fremd, weil ich es nicht zu deuten weiß.
Oder weil es dem widerspricht, was in ihren Worten ist.
Manchmal sagen sie Angstworte und lächeln dabei.
Manchmal sagen sie auch, dass alles gut wird, obwohl sie wissen, dass es nicht so sein wird.
Aber ich spüre, wenn etwas nicht stimmt. Spüre, wenn ihr Verhalten anders ist oder ihre Worte einen anderen Klang haben. Spüre es, wenn die Angst kommt, die Angst vor Veränderungen.

„Lass doch erst einmal alles auf dich zukommen“, sagt er und versteht nicht, dass ich genau das nicht kann – etwas auf mich zukommen lassen.
Ich muss planen. Planen, damit das „etwas“ vorhersehbar wird und nicht ein abstrakter Begriff bleibt. Ich muss alle möglichen Antworten formulieren und abspeichern, damit sie verfügbar sind und ich nicht schweige. Mit spontanen Antworten bin ich überfordert.
Ich kann nur reagieren, wenn ich weiß, wie mein Gegenüber agieren wird.
Aber die Menschen sind in ihrem Agieren unberechenbar.

„Es wird schon alles gut gehen.“
Woher will er das wissen?
Kennt er den Ausgang des Gesprächs bereits, obwohl er nicht einmal die Personen kennt, die daran teilnehmen werden?
Oder sagt er das bloß, um mich zu beruhigen und mir Halt zu geben?
Halt, der nur auf Vermutungen basiert und damit so unstabil ist, dass meine Unsicherheit wächst.

Ich möchte allein sein – weit weg von den Worten, die mich nicht beruhigen.
Ich wünsche mir, dass die Nacht nicht endet und das Fühlen endlich zur Ruhe kommt.
Aber es wird mir unbegreifbar sein und verwirrend, solange die Sicherheit nicht zurückkehrt.

Ich möchte allein sein – weit weg von den Menschen, deren Verhalten mich so verunsichert. Ich zähle die Stunden der Nacht nicht, weil die Zeit dadurch keine Begrenzung erhält. Grenzen, die mir normalerweise wichtig sind, um meinen Alltag zu strukturieren.
Doch Angst hat auch keine Grenzen, ebenso wenig wie die Unvorhersehbarkeit dieses Gesprächs, welche mich seit Tagen immer mehr unter Druck setzt.
Dabei bin ich viel zu erschöpft, den Druck ertragen zu können und mich auf die möglichen Worte vorzubereiten.

Ich habe Angst, große Angst.

„Es wird schon alles gut gehen.“
Aber was ist, wenn es nicht gut geht?
Was ist, wenn Worte fallen, auf die ich nicht vorbereitet bin?
Was ist, wenn mir nur das Schweigen bleibt, weil ich keine Antwort weiß?
Was ist, wenn eine Entscheidung längst getroffen worden ist und ich an der Situation nichts mehr ändern kann?

Wieder überrennt mich das Fühlen in meinem Innen-Sein.
Wenn es nicht gut geht, werde ich mich zurückziehen.
Zurückziehen und schweigen.
Wieder allein sein wollen.
Allein sein.
Allein.