Schlagwörter

, ,

Mit ihr im Café sitzen und zuhören, während sie von sich erzählt.
Nähe spüren. Nähe, die Sicherheit gibt.
Die Latte Macchiato ist das erste, was ich an diesem Morgen um 11 Uhr zu mir nehme.
Aber sie ist Nebensache, wenn ich mich auf ihre Worte konzentriere.
Worte, die wichtiger sind als der Geschmack von Kaffee und geschäumter Milch.
Sie schafft es, mich auch in schwierigen Situationen zum Lachen zu bringen.
Ich lache gerne mit ihr, auch wenn ihr Lachen manchmal zu laut ist.
In ihrer Gegenwart muss ich nicht funktionieren.
Zumindest jetzt nicht, wo wir uns im Café gegenübersitzen.
Meine Hände sind ruhig, müssen nicht herum fuchteln oder Kratzspuren auf der Haut hinterlassen.

Das Café ist um diese Uhrzeit fast leer, so dass es kein Zuviel an Stimmen gibt und ich ihren Worten mühelos folgen kann.
Wohlfühlworten.
Und ihrem Lachen.
Sie ist ein Innen-Mensch.
Das Außen ist abgeschaltet – für einen Moment erdrücken die Gedanken nicht.
Ein gehwegplattenschönes Gefühl.

Auf dem Heimweg spüre ich die Erschöpfung wieder.
Das Außen dringt in mein Innen-Sein. Dröhnt in meinem Kopf. Schmerzt.
Aber auch der Positivmoment kehrt in meine Gedanken zurück.
Die Erinnerung daran gibt Halt, obwohl mein Erinnern bildlos ist.
Weil sich ihr Lachen einprägt und jedes Wort.
Ich vergesse Worte nicht. Sie bleiben in mir.

Wohlfühlworte.
Sie fühlen sich auch jetzt noch gut an, wo ich zuhause bin.
Wenn ich mich zurückziehe und sie immer und immer wieder ausspreche.
Leise vor mich hin oder manchmal auch laut, damit ich sie höre.
Wiederholen schafft Sicherheit und beruhigt.
Gerade, wenn die Angst zurückkehrt und mit ihr die Erschöpfung.

Heute Nachmittag habe ich mir einen Tulpenstrauß gekauft.

Ich mag Blumen und die Wärme ihrer Farben.
Je intensiver ihre Farben sind, desto mehr nehme sie wahr.
Außerdem spüre ich den ganzen Tag den Geruch vom Anschneiden ihrer Stängel in der Nase und an meinen Fingern, an denen ich immer wieder rieche.
Der Geruch nach geschnittenem Grün ist auch gehwegplattenschön.
Und beruhigend.
Ebenso wie ihre Worte und das Lachen im Café.

Trotzdem ist die Nacht um drei Uhr noch schlaflos, weil zu viele Gedanken mein Innen-Sein überrennen und ich keine Ruhe finde.
Genauso wie der Wind, der seit Stunden draußen fegt und die Regentropfen ans Fenster schlägt. Aber es ist nicht der Wind, der mich nicht schlafen lässt, sondern die Furcht vor der Rückkehr der Angstworte.
Angstworte, die das Lachen verdrängt haben und den Geruch frisch geschnittenen Grüns.

Aber es gab sie, die Positivmomente.
Ich konnte sie spüren.
Für einen Augenblick.

Ich werde die Augen schließen und die Stunden zählen bis morgen Mittag.
Und mit jeder Zahl hoffen, dass es Wohlfühlworte sein werden, die sie mitbringt.