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Ihre Stimme am Telefon zu hören bringt Linderung, obwohl ich Angst vor dem Wiedersehen am nächsten Tag habe.
Ich zähle nicht einmal wie sonst die Stunden, weil das Zählen mir dieses Mal keine Sicherheit gibt. Die Hände sind zerkratzt und geschwollen, weil die Haut unerträglich juckt.
Meine Schultern und der Hals sind verkrampft von der Anspannung in meinem Innen-Sein.
Es kostet viel Kraft, das alles vor dem Außen zu verbergen und weiter zu funktionieren, als existierten die Angstworte nicht.
Der Alltag geht weiter, aber ich bekomme kaum etwas davon mit.
Mein Handeln beschränkt sich auf das Einkaufen und Kochen.
Das schaffe ich nur meinem Sohn zuliebe.
Alles strengt enorm an, weil das Denken blockiert ist.
Schon am Morgen bin ich erschöpft von einer schlaflosen Nacht, in der ich stundenlang mit dem Kopf in meinem Kissen hin- und her gewühlt habe.
Die Ungewissheit der nächsten Wochen belastet mich immer mehr und lässt längst keinen Raum mehr für andere Gedanken. Erst recht nicht für eine weitere Veränderung.
Woran soll ich mich festhalten, wenn mir ein Teil des Vertrauten genommen wird und an dessen Stelle Fremdes tritt?
Etwas ist in mir, das sich anfühlt, als müsse ich weinen.
Aber es kommen keine Tränen.
Meine Augen brennen, dass mir sogar das Lesen schwerfällt.
Schließen möchte ich sie und nichts mehr spüren in meinem Innen-Sein als Stille.

Doch statt Stille entlädt sich plötzlich Wut.
Kein stummer Schrei, sondern laute Wut.
Ein umgekippter Stuhl und ein zu Boden geworfenes Brillenetui.
Ich will nicht mehr – ich kann nicht mehr.
Aber niemand sieht das.

Ich sei kognitiv in der Lage, das alles zu schaffen.
Aber ich habe auch Gefühle. Ein Knäuel von Gefühlen, das mich ständig überrollt.
Und dieses Gefühlsknäuel ist überfordert mit all dem, was im Augenblick in mein Innen-Sein dringt. Es braucht Halt und eine vertraute Person, die mir hilft, das Knäuel zu entknoten.
Nicht noch mehr Verwirrung durch die Unvorhersehbarkeit des Verhaltens einer fremden Person. Ich werde mein Innen-Sein vor allem verschließen, was fremd ist, weil ich es beschützen muss. Weil ich mich schützen muss vor einem Zuviel an Außen.
Und im Moment ist alles Außen zu viel.
Jeder Schritt, den ich nach draußen gehen muss.
Deshalb möchte ich meine Wohnung am liebsten gar nicht verlassen. Nur dort bleiben, wo Vertrautes ist und Sicherheit. Und in mir bleiben. In meiner Welt, wie sie es nennen.
Zutritt nur für Innen-Menschen.

Sie ist ein Innen-Mensch.
Mit ihr schaffe ich es sogar zu lachen heute.
Nicht, weil es mir gut geht oder die Angst und das Zuviel verschwunden sind.
Sondern, weil sie da ist und mit ihr ein kurzer Moment der Entspannung.
Wie anstrengend dieser Moment war, spüre ich erst, nachdem sie gegangen ist.
Ich bin so erschöpft, dass mir die Augen zufallen und ich meinen Körper kaum noch kontrollieren kann. So, als schliefe er bereits, obwohl ich noch wach bin.
Viel zu viel habe ich gesprochen und nicht bemerkt, wie sehr mich das Reden ermüdet. Heraus gesprudelt ist es aus meinem Innen-Sein, damit kein Platz bleibt für die Angstworte.
Ich will sie nicht hören, nie mehr hören. Ich will, dass sie verschwinden und nie mehr zurückkehren.

Wenn sie lacht, vertreibt sie die Angstworte. Auch, wenn ihr Lachen laut ist. Manchmal zu laut.
Es ist gut, wenn die Angst für einen Moment verschwindet, auch wenn sie allgegenwärtig bleibt und meine Gedanken beherrscht, sobald ich wieder alleine bin und das Lachen weit weg und für mich unerreichbar ist.
Jetzt werde ich die Stunden wieder zählen, bis ich sie wiedersehe.
Weil das Zählen Sicherheit gibt und ein Gefühl von Kontinuität, die mein Innen-Sein stabilisiert und dem Gefühlsknäuel einen Ort gibt, an dem es sich entspannen kann.
Und genau deshalb möchte ich, dass alles so bleibt wie es ist.
Dass Veränderung mein Gefühlsknäuel nicht noch mehr verwirren wird.
Dass ich auf Kontinuität zählen kann.
Wieder zählen kann.