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Ich bin so aufgeregt, dass ich immer wieder in meinem Wohnzimmer herum hüpfe und mit meinen Händen flattere. Ich möchte das Fühlen spüren, welches in meinem Innensein ist.
Ich möchte mich spüren. Ich kann nicht aufhören damit und meine Hände und Füße stillhalten.
Aber das muss ich auch nicht.
Es ist niemand da, den mein Aufgeregtsein stört und der mich gleich auffordert, das Gezappel zu unterlassen. Ich darf sein – nicht nur in mir sein.

Das Hüpfen und Flattern beruhigt, weil das Fühlen entweichen kann und mein Innensein nicht länger erdrückt wird von diesem Zuviel an Aufregung und Freude, welches mit einer Heftigkeit auf mich einströmt, dass ich damit überfordert bin.

Solange die Aufregung in mir ist, sucht sie sich einen Weg nach außen.
Ich rede und rede und rede und kratze dabei mit meinen Fingernägeln über den rechten Arm, bis das Kratzen sichtbar geschwollene Striemen auf der Haut hinterlässt. Das beruhigt.
Während ich ihr gegenüber sitze und erzähle, kann ich nicht hüpfen und mit den Händen vor meinem Gesicht herum flattern. Ich muss meine Hände kontrollieren. Das kostet sehr viel Kraft, weil ich mich gleichzeitig auch auf das Gespräch konzentrieren und ihre Fragen beantworten muss. Sie hat längst bemerkt, dass ich mich unentwegt kratze und mein Handrücken und das Gelenk schon ganz rot sind. Es stört mich nicht, dass sie mich darauf anspricht, weil sie mir nicht das Gefühl vermittelt, dass es falsch ist, was ich mache.
Ich brauche mein Ich-sein vor ihr nicht zu verstecken.
Auch nicht meinen zerkratzten Arm, den ich früher in ähnlichen Situationen unter einem langärmeligen Shirt verborgen habe, damit niemand darauf aufmerksam wurde und Fragen hätte stellen können, auf die ich keine Antwort wusste.

Später, als ich im Auto sitze, spüre ich, wie erschöpft ich bin.
Erschöpft von den vielen Worten und dem Gefühlsknäuel in meinem Innensein, welches meine strukturierten Gedankenabläufe durcheinander gebracht hat.
Ich möchte alleine sein und erst einmal wieder Kraft schöpfen.
Aber wie kann ich Ruhe finden, wenn so viel Fühlen in mir ist, dass meine Hände und Füße ständig in Bewegung sind, um das Gleichgewicht zwischen dem Innen- und Außensein wieder herzustellen? Ähnlich, wie ich Geräusche ungefiltert wahrnehme und dementsprechend nur schwer verarbeiten kann, ergeht es mir auch im Gefühlserleben, wobei es in er Intensität nicht einmal einen Unterschied gibt zwischen positivem und negativem Erleben. Beides ist in gleicher Weise anstrengend und setzt mich einem enormen Stress aus.

Zuhause laufe ich in der Wohnung auf und ab. Alles dreht sich in meinem Kopf. Es gelingt mir kaum, meine Hände still zu halten, während ich mit meinem Sohn im Wohnzimmer sitze und versuche, mich auf den Film zu konzentrieren, der gerade im Fernsehen läuft.
Immer wieder stehe ich auf, gehe in die Küche, um etwas zu Trinken aus dem Kühlschrank zu holen oder einen Teller weg zu bringen. Wenn ich mich zwinge, für einen Moment sitzen zu bleiben, wird die Aufregung in meinem Innensein unerträglich. Die Bewegung ist das einzige Ventil, welches dafür sorgt, dass der Druck nachlässt und das Gefühlserleben nach Außen spürbar wird und entweichen kann. Zumindest für den Augenblick schafft sie Erleichterung, denn die Aufregung bleibt. Sie wird noch größer werden, je näher der Termin rückt, auf den ich mich so sehr freue. Umso wichtiger ist es für mich, mein Gefühlserleben nicht ständig verstecken oder sogar unterdrücken zu müssen, weil es Außenstehenden fremd und eigenartig erscheint, sondern einen Ort zu finden, wo ich mit den Händen flattern und hüpfen kann und Menschen, in deren Gegenwart ich so sein kann, wie ich bin. Eben ein bisschen anders – auch in meiner Art, Gefühle zu verarbeiten.