Schlagwörter

, , , ,

Gelb – Orange – Hellrot – Dunkelrot.
Der Anblick erfreut mich, wenn die Buntstifte farblich sortiert in der Schachtel liegen.
Ich mag es, wenn alles geordnet ist und jeder Stift an seiner Stelle liegt.
Hellblau – Dunkelblau – Violett.

„Gib deiner Schwester ein Blatt Papier und lass sie mit malen.“
Ich will das nicht.
Ich will nicht, dass meine Schwester meine Stifte benutzt.
Sie wird die ganze Ordnung durcheinander bringen.
Hellgrün – Grasgrün – Dunkelgrün.
Ich schließe die Schachtel.
Es sind meine Stifte – meine Stifte und meine Ordnung.

„Stell dich nicht so an. Deine Schwester will doch nur mit dir malen.“
Ich möchte aber nicht mit ihr malen – nicht mit meinen Stiften.
Sie wird die Anordnung zerstören und die Stifte wahllos in die Schachtel zurücklegen, nachdem sie sie benutzt hat.
Genauso wie beim letzten Mal.

Sie sitzt mir gegenüber und versucht, mit ihren kleinen Fingern in die Schachtel zu greifen.
Aber ich ziehe die Buntstifte jedes Mal ein kleines Stück zu mir.
Ich will nicht, dass meine Schwester sie benutzt.
Ich will das nicht.
Meine Mutter schimpft mit mir und reißt mir die Schachtel aus der Hand.
„Lass deine Schwester mit malen und hör auf, sie ständig zu zanken.“
Ich zanke meine Schwester nicht.
Ich will nur nicht, dass sie die Stifte wieder falsch einsortiert und dieses merkwürdige Gefühl meinen Körper überrennt.

„Jetzt stell dich nicht so an. Es ist doch egal, in welcher Reihenfolge die Stifte in der Schachtel liegen.“
Ich stelle mich nicht an.
Und es ist auch nicht egal, in welcher Reihenfolge die Stifte in der Schachtel liegen.
Es ist nicht egal.
Nicht egal – nicht egal – nicht egal.
Meine Hände flattern.

Warum versteht meine Mutter nicht, wie wichtig es ist, dass jeder Stift an die für ihn vorgesehene Stelle zurückgelegt wird?
Ich weine. Mein Körper zittert.
Sie wird die ganze Ordnung durcheinander bringen.
Ich will nicht, dass sie meine Stifte benutzt.
Ich will das nicht!

Das merkwürdige Gefühl ist da.
Ich muss schreien.
Gegen das merkwürdige Gefühl schreien, welches mich überrennt.
„Hör sofort mit der hysterischen Schreierei auf!“
Ich kann nicht aufhören.
Nicht, solange meine Schwester meine Ordnung durcheinander bringt.
Hellbraun – Dunkelbraun – Schwarz.

Sie malt, während mich dieses merkwürdige Gefühl immer und immer wieder überrennt.
Zwei Stifte hat sie bereits aus der metallenen Schachtel genommen – den hellroten und den dunkelblauen, mit denen sie abwechselnd malt.
Ich kann meine Hände nicht halten.
Sie wird die Ordnung zerstören, sobald sie die Stifte zurücklegt.

Gelb – Orange – Dunkelblau – Dunkelrot.
Hellblau – Hellrot – Violett.
Das ist falsch – falsch – falsch!
Mit einem Schlag fliegt die Schachtel samt der Stifte quer über den Tisch.
Meine Schwester schreit.
Meine Mutter schimpft.
Das merkwürdige Gefühl lässt langsam nach.

Ich werde die Stifte aufheben und neu sortieren.
Ich mag es, wenn alles geordnet ist und jeder Stift an seiner Stelle liegt.
Es ist ein schönes Gefühl, wenn die Farben in der vorgesehenen Reihenfolge einsortiert sind.
Es ist ein schönes Gefühl.
Ein schönes Gefühl.