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„Das erzählst du mir jetzt zum hundertsten Mal.“
Ich schüttele den Kopf. So oft kann ich unmöglich mit ihm darüber gesprochen haben.
„Na ja, ich habe ein wenig übertrieben. Aber du redest seit Tagen von nichts anderem mehr.“
Er hat übertrieben. Warum macht er das? Wenn er nicht mitgezählt hat, war es falsch von ihm, irgendwelche Zahlen zu nennen, die er nicht belegen kann.
„Das sagt man doch einfach so.“
Ich sage nichts einfach so.
Macht er sich im Gegensatz zu mir keine Gedanken darüber, was er sagt?
Ich muss mich auf sein Wort verlassen können.
„Lass uns einmal über etwas anderes reden.“
Ich kann nicht über etwas anderes reden.
Nicht, solange es noch so viele Fragen gibt.
Ich brauche Antworten. Antworten, die mir ein Stück Sicherheit zurückgeben.

Immer und immer wieder muss ich an den bevorstehenden Termin denken und daran, wie groß meine Angst ist, nicht die richtigen Worte zu finden.
Seit Tagen gehe ich das Gespräch in Gedanken ständig durch.
Es gelingt mir nicht, mich auf etwas anderes zu konzentrieren.
Ich muss mich auf jede Frage vorbereiten und versuchen, bereits im Vorfeld alle möglichen Antworten darauf zu finden.
„Lass den Termin doch erst einmal auf dich zukommen und warte ab, was sie dir für einen  Vorschlag machen werden.“
Abwarten! Wie kann ich abwarten und einen Termin einfach auf mich zukommen lassen,  ohne ihn im Voraus genau zu planen?
Ich brauche Sicherheit, um meine Gedanken ordnen zu können.
Je häufiger ich über den bevorstehenden Termin spreche, desto mehr verliert er an seiner  Unvorhersehbarkeit. Nichts ist schlimmer auszuhalten als die Ungewissheit über den Verlauf und den Ausgang eines Gesprächs. Besonders dann, wenn ein Gespräch so wichtig ist und es darum geht, eine Entscheidung zu treffen.
Entscheidungen kann ich nicht spontan treffen. Dazu brauche ich Zeit – viel Zeit.  Zeit, die ich Moment nicht habe.

Wie soll ich in dieser Situation einfach abwarten können?
„Es wird dir gar nichts anderes übrig bleiben.“
Genau das ist so schwierig.
Zu wissen, dass ich warten muss, obwohl das Warten unerträglich ist.
Die Gedanken warten nicht. Sie kehren ständig wieder und lassen sich nicht ausschalten oder für ein paar Stunden einmal beiseite schieben.
Auch in der Nacht nicht, die seit Wochen ruhelos ist, obwohl ich dringend Ruhe brauche.
Immer und immer wieder sind es die gleichen Fragen, die mich wachhalten.
Und immer wieder sind es die gleichen, möglichen Antworten, die ich in Gedanken durchgehe.
Doch was geschieht, wenn das Gespräch unerwartet verläuft und es eine Lösung geben wird, auf die ich nicht vorbereitet bin? Nicht vorbereitet, weil ich ausgerechnet diese Lösung nicht eingeplant habe in die Rubrik der möglichen Antworten.
Ich muss deren Eintrittswahrscheinlichkeit berechnen.
Dazu brauche ich die objektive Einschätzung der Menschen, denen ich vertraue.
Er gehört zu jenen Menschen.
Ich möchte, dass er mir zuhört.
Dass er mir einfach nur zuhört und sagt, welche Lösung er für wahrscheinlich hält.

„Wir haben das aber doch alles schon gestern Abend ausführlich besprochen. Und vorgestern.“
Ich muss auch morgen wieder darüber sprechen und übermorgen.
Jedes Detail immer und immer wieder in Gedanken durchgehen und die möglichen Antworten exakt formulieren, damit das bevorstehende Gespräch vorhersehbar wird.
Ich brauche Vorhersehbarkeit.
Eine Vorhersehbarkeit, die meinen Alltag planbar macht.

„Du kannst nicht alles im voraus planen.“
Leider kann ich das nicht.
Aber ich würde es gerne können.
Alles planen können, damit mich die Gedanken nicht ständig überrennen.
Alles planen können, damit ich nicht immer wieder darüber reden muss.
Alles planen können, damit die Angst endlich verschwindet.
Alles planen können.
Alles planen.