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Als Asperger-Autistin von einer Betreuerin zu Arztterminen begleitet zu werden, impliziert bei einigen Menschen offensichtlich eine attestierte Hilflosigkeit und die Unfähigkeit, sich als Betroffene artikulieren und gestellte Fragen selber beantworten zu können.

Infolgedessen wurde bei meinem letzten Arztbesuch selbst die Frage nach meiner Telefonnummer seitens der Arzthelferin nicht an mich persönlich, sondern direkt an meine Betreuerin gerichtet, als sei ich nicht in der Lage, persönliche Daten an andere weiter zu geben,
möglicherweise nicht einmal fähig, die Frage nach meiner Telefonnummer zu verstehen mangels kognitiver Fähigkeiten.
Auf den Punkt gebracht, ich wurde übergangen. Schließlich musste es einen Grund dafür geben, dass ich einen Arzttermin als erwachsene Frau mit einer Betreuerin wahrnehme.

Natürlich gab und gibt es einen Grund:
Ich habe von Geburt an große Angst vor Ärzten und jahrzehntelang Arztbesuche aus diesem Grund – so weit möglich – vermieden.
Meine Betreuerin, die mir ab September letzten Jahres drei Stunden in der Woche über das Ambulant Betreute Wohnen vom zuständigen Kostenträger bewilligt wurde, begleitet mich auf meinen Wunsch hin als Unterstützung, weil ein solcher Arzttermin für mich eine hohe psychische Belastung darstellt und ein Stress auslösender Faktor ist, der schnell zu einer Überforderungssituation führen kann.

Aber offensichtlich wurde ein solcher Grund gar nicht erst in Betracht gezogen, auch nicht, nachdem meine Betreuerin darauf aufmerksam gemacht hatte, dass ich die Frage nach meiner Telefonnummer selber beantworten und man die diese unmittelbar an mich richten könne.

Einige Minuten später wurde lediglich meine Betreuerin namentlich angesprochen, jetzt ins Sprechzimmer gehen zu können. Selbstverständlich reagierte ich nicht und blieb dort stehen, wo wir gewartet hatten. Es wäre ja möglich gewesen, dass mein Arzt sie erst hätte alleine sprechen wollen. Erst als sie auf der Treppe (die Praxis befindet sich eine Etage höher) stehen blieb, wurde ich verunsichert und fragte bei der Arzthelferin, die ebenfalls im Flur stehen geblieben war nach, ob auch ich mit der Aufforderung angesprochen worden sei.
Daraufhin kam sie auf mich zu, wie Menschen das bei kleinen Kindern machen, die etwas nicht richtig verstanden haben und redete entsprechend auch mit mir, in dem sie „tröstend?“ einen Arm um mich legte. Das war mir nun endgültig zu viel und ich bat sie ziemlich laut und bestimmend, mich nicht anzufassen.
Ihr Verhalten mir gegenüber empfand ich als sehr geringschätzig und befremdlich.
Aus welchem Grund nahm sie sich das Recht, mich so zu behandeln?
Hatte die Anwesenheit meiner Betreuerin mich in ihren Augen zu einer hilflosen Person gemacht?
Und wenn? Haben Menschen dann nicht mehr das Recht, persönlich angesprochen zu werden, sondern nur noch über Dritte? Und müssen sie sich gefallen lassen, angefasst zu werden, weil man ihre Grenzen dann nicht mehr respektiert?

Vielleicht sollte ich mir beim nächsten Arztbesuch ein Schild mit einer entsprechenden Aufschrift um den Hals hängen?

„Auch, wenn mich meine Betreuerin begleitet, bin ich als Asperger-Autistin auf Grund meiner überdurchschnittlichen, kognitiven Fähigkeiten in der Lage, eigenständig und selbstbestimmt zu handeln und zu sprechen und mag es nicht, wenn man mich übergeht und meine Grenzen überschreitet, in dem man mich unaufgefordert berührt.“