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Fünf Minuten Pause.
Ich brauche dringend eine Pause. Nur fünf Minuten.
Alles Außen ist unerträglich. Verletzt mein Innensein. Schmerzt.

Ich habe mich auf der Toilette eingesperrt.
Fünf Minuten Pause. Nur fünf Minuten.
Fünf Minuten Stille – egal, an welchem Ort.
Ich muss es abschalten – muss alles abschalten – das Außen abschalten.
Den Oberkörper im gleichbleibenden Rhythmus ganz leicht
vor und zurück wiegen.
Hier sieht es niemand.
Vor und zurück – vor und zurück – vor und zurück.
Das beruhigt. Nur fünf Minuten.
Vor und zurück – vor und zurück – vor und zurück.
Ein sanftes Schaukeln.

Es ist 9.45 Uhr.
Das Rauschen der Heizung ist noch genauso unerträglich wie vorher.
Sie nehmen es längst nicht mehr wahr, sagen sie.
Ich nehme es wahr. Wie jedes andere Geräusch in diesem großen Raum auch.
Noch 4 Stunden und 15 Minuten.

Ich hole die Unterlagen vom Drucker und beginne, sie nach Firmen zu sortieren.
Wie jeden Montag und Freitag – immer in der gleichen Reihenfolge.
Die Reihenfolge ist wichtig. Sie gibt Sicherheit.
Etwas, woran ich mich festhalten kann.
Das Telefon klingelt. Einmal, zweimal, dreimal.
Ich kann den Vorgang jetzt nicht unterbrechen.
Ich muss weiter sortieren. Ich muss.
Wenn ich jetzt damit aufhöre, ist alles zerstört.
Ich spüre die Unruhe in meinen Händen.
Sie haben den Halt bereits verloren.
Wie soll ich mich auf etwas konzentrieren, wenn ich
ständig unterbrochen werde?
Viermal. Fünfmal. Sechsmal. Dann hört das Klingeln auf.
Ich muss von vorne beginnen mit dem Sortieren.
Wieder zurückfinden in den Rhythmus.

Die Tür hinter mir wird geöffnet.
Wieder und wieder.
Ein ständiges Auf und Zu – Auf und Zu – Auf und Zu.
Hinein – Heraus – Hinein – Heraus.
Immer und immer wieder.
Immer unvorhersehbar.

Sehnsucht nach Stille.
Ich muss es abschalten – muss alles abschalten – das Außen abschalten.
Ich muss das Außen abschalten, bevor es in mein Innensein dringt.
Es überrennt mich. Es schmerzt. Überall.
Überall ist Außen. Außen ist überall.
Überall ist zu viel.
Zu viel Öffnen und Schließen, als bestünde der Raum nur aus Türen.
Zu viele Stimmen, die gleichzeitig reden und ein Verstehen unmöglich machen.
Zu viel Radio, das im Hintergrund läuft.
Zu viel Rauschen, das ständig gegenwärtig ist.
Zu viel Klimpern auf den Tastaturen.
Zu viele Telefone, die immer wieder klingeln.
Zu viele Autos, deren Lärm trotz geschlossener Fenster zu hören ist.
Zu viel Räuspern und Husten, Rascheln, Knistern, Klappern, Klopfen, Rattern, Knattern, Quietschen, Brummen, Lachen, Schniefen, Brabbeln, Schimpfen, Schmatzen und Schlürfen.
Ich muss es abschalten – muss alles abschalten – das Außen abschalten.
Stop!

Fünf Minuten Pause.
Ich brauche dringend eine Pause. Nur fünf Minuten.
Alles Außen ist unerträglich. Verletzt mein Innensein. Schmerzt.

Ich habe mich auf der Toilette eingesperrt.
Fünf Minuten Pause.
Nur fünf Minuten, bevor alles von vorne beginnt.