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Die lauteste Nacht des Jahres steht heute bevor.
Schon den ganzen Tag über böllert und kracht es draußen.
Lärm, der mich immer wieder hochschrecken lässt.
Schon als Kind habe ich die Kracher nicht gemocht.
Nicht nur nicht gemocht – ich hatte richtige Angst davor.
Bin schreiend davongelaufen, wenn die Kinder auf der Strasse die ersten Böller warfen. Habe mir die Ohren zugehalten, weil mir das unvorhersehbare Knallen unerträglich war.

Dabei mochte ich die Sylvesternacht und wollte unbedingt um kurz vor zwölf von meinen Eltern, die mit ihren Freunden feierten, geweckt werden.
Freute mich auf die sprühenden Lichter der Raketen.
Rannte aufgeregt in der Wohnung hin und her.
Klatschte in die Hände. Hüpfte von einem Fuß auf den anderen.
Das bunte Blinken und Schimmern am Himmel faszinierte mich.
Am meisten mochte ich jene, die sich wie Kreisel in der Dunkelheit drehten.
Stunden lang hätte ich dem mitternächtlichen Glitzer-Glimmer zusehen können, obwohl ich mich als Kind kaum wachhalten konnte.
Am liebsten in der Küche mit Blick auf den von Scheinwerfern angestrahlten Kölner Dom. Doch nur hinter verschlossenen Fenstern.
Nur da fühlte ich mich sicher und konnte dem Lichtspektakel glücklich zuschauen.

Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Eben so wenig wie an der Angst, die Wohnung in der Sylvesternacht auch nur für einen kurzen Moment verlassen zu müssen, weil mein Sohn das Feuerwerk auf der Strasse miterleben und selber Kracher entzünden möchte, obwohl er jetzt über die zu frühen Knaller schimpft.
Bei jedem Böller schrecke ich zusammen und spüre, wie mein Herz in mir hämmert. Schneller und immer schneller. Lauter und immer lauter.

Warum fliegen die Knaller schon, obwohl es noch lange nicht Mitternacht ist?
Warum lärmt es schon vor 21 Uhr, mehr als drei Stunden vor dem Jahreswechsel?
Am liebsten möchte ich mich verkriechen.
Irgendwo an einen stillen Ort, wo ich das Feuerwerk um Mitternacht in Ruhe genießen kann.
Das flirrende Gold und Silber, das blinkende Rot, Gelb, Grün und Blau über der Stadt, welches mich schon als Kind fasziniert hat.
Jenseits der lärmenden Böller.
Jenseits der Feuerwehrsirenen, die hier schon im Zwanzig-Minuten-Takt zu hören sind.