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Ich mag das momentane Wetter nicht, weil es meinen Alltag ständig durcheinander bringt.
Es zwingt mich dazu, spontane Entscheidungen treffen zu müssen, mit denen ich überfordert bin und ändert meinen durchstrukturierten Tagesablauf, so dass ich innerlich sehr angespannt und aus dem gewohnten Rhythmus geraten bin, der mir Sicherheit gibt.
Zu vieles ist seit Tagen anders, als dass ich es einfach kompensieren könnte.

  • Ich fahre meinen Sohn nicht mit dem Auto zur Schule
  • Ich benutze die U-Bahn anstelle der S-Bahn, um ins Büro zu fahren
  • Verspätungen der öffentlichen Verkehrsmittel
  • Unpünktlichkeit und lange Wartezeiten
  • Geänderte Fahrwege und Fahrzeiten
  • Überfüllte Verkehrsmittel und Bahnsteige 
  • Ich komme nicht an der Bäckerei vorbei, in der ich sonst täglich meine Brötchen hole
  • Termine fallen aus
  • Ich muss Termine kurzfristig absagen, weil der Zielort nicht erreichbar ist
  • Der tägliche Einkauf kann nur zu Fuß erledigt werden

In manchen Momenten fühle ich mich, als habe ich die Orientierung in dem Durcheinander an Veränderungen des Tagesablaufs verloren.
Das macht mir Angst und setzt mich enorm unter Druck.
Ich muss so schnell wie möglich die gewohnte Tagesstruktur wieder herstellen.
Aber das ist aufgrund der Wetterverhältnisse nicht oder nur eingeschränkt möglich.

Ich führe Selbstgespräche, um mich zu beruhigen.
Manchmal schimpfe ich auch, weil die Situation für mich unerträglich ist.
Meine Hände sind ständig in Bewegung, Das Herumfuchteln ist ein Zeichen der inneren Anspannung und Überforderung. Ich bin überfordert. Das Außen überfordert mich.
Am liebsten würde ich die Wohnung gar nicht verlassen.
Sie ist der einzige Ort, an dem der Alltag weiterhin strukturiert ist und planmäßig verläuft.
Sie ist der einzige Ort, an dem sich meine Anspannung ein wenig lösen kann.
Sie ist der einzige Ort, an dem ich jetzt sein mag.

Außerhalb beginnt das Chaos.
Ein Chaos aus spontanen Veränderungen, Verspätungen, Unpünktlichkeit, überfüllten und beengten Bahnen und einem Zuviel an Menschen um mich herum.
Faktoren, die den Tag und seinen Verlauf unvorhersehbar machen.
Da hilft auch der Satz nicht, dass ein solches Wetter im Winter normal sei.
Egal, wie häufig er wiederholt wird, um mir meine Anspannung nehmen zu wollen, die niemand richtig begreift.
Er ist mir weder Trost noch Unterstützung in meiner Suche nach Struktur und Halt. Er macht mir nur noch mehr Angst vor den nächsten Tagen und Wochen.