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“Ha, ha, ha!”
“Ha, ha, ha!”
“Ha, ha, ha!”

Etwas Lustiges musste geschehen sein, das die Nachbarskinder dazu gebracht hatte, so laut zu lachen. Ich hörte ihre hellen Stimmen, ohne zu wissen, woher diese kamen.
Möglicherweise hatten sie sich hinter einem der wenigen Autos, die am Straßenrand parkten, versteckt oder warteten zusammengedrängt im nächsten Hauseingang darauf, dass ich sie endlich dort entdecken würde. Ich mochte nicht, wenn sie wegliefen, ohne mich in ihr Vorhaben einzuweihen. Ihr unerwartetes Verschwinden verunsicherte mich.

Außerdem verstand ich nicht, warum der alte Mann aus dem Fenster im ersten Stock des Hauses Nummer 6 heraus unentwegt schimpfte und mich ein freches Gör nannte. Ich kannte ihn kaum und hatte ihn bisher immer gegrüßt, wenn er meiner Mutter und mir auf dem Weg zum Einkaufen zufällig begegnet war. Am liebsten hätte ich mir die Ohren zugehalten und wäre davongelaufen. Aber ich musste auf die anderen warten. Schließlich hatten sie mir aufgetragen, an der Türe des unfreundlichen Herrn zu klingeln. Ich wusste nicht, was sie von ihm wollten und konnte es mir jetzt, wo er mich mit seiner Angst einflößenden Stimme so erschreckt hatte, auch nicht vorstellen. Sie hatten mich während des Spielens auf einmal darum gebeten, mir aber keinen Grund dafür genannt und ich hatte ihnen lediglich den Gefallen getan. Weshalb ich dafür nun von dem alten Mann beschimpft wurde und die Kinder einfach weggelaufen waren und sich versteckt hatten, konnte ich mir nicht erklären.

Ich beschloss, sie danach zu fragen, sobald ich sie in ihrem Versteck entdeckt haben würde, um zu begreifen, was geschehen war und was ich möglicherweise falsch gemacht hatte. Ich rief ihre Namen, damit sie sich zu erkennen geben würden, aber erst, nachdem der Mann aus der Nummer 6 das Fenster geschlossen hatte und verschwunden war, kamen sie – immer noch lachend – hinter den beiden Autos auf der gegenüberliegenden Seite der Strasse hervor.

“Ha, ha, ha!”
“Ha, ha, ha!”
“Ha, ha, ha!”

Ich wünschte mir, dass sie damit aufhörten, zumal sie mir auch nicht erzählen wollten, warum sie die ganze Zeit kicherten und immer wieder von vorne begannen, sobald ich sie nach dem Anlass fragte.

Warum ließen sie mich nicht teilhaben an ihrem Spaß?
Ich wollte doch zu ihnen gehören, ein Teil ihrer Gruppe sein und angenommen werden, wenn ich schon mit ihnen spielen sollte. In Momenten wie diesen waren sie mir so fremd, dass ich mich nach meinem Zimmer, den Büchern und meinen wirklichen Freunden sehnte, die niemand kannte außer mir, weil sie mein großes Geheimnis waren, welches ich mit keinem Menschen je teilen würde.

Weshalb mir diese Geschichte nach so langen Jahren wieder einfällt?

Mein Sohn neigt in ähnlicher Weise dazu, Handlungen, zu denen er von seinen Mitschülern aufgefordert wird, auszuführen, ohne sie zu hinterfragen, weil er keine böse Absicht dahinter vermutet und dann auch – wie ich damals – nicht spürt, dass seine Naivität und Gutgläubigkeit benutzt worden ist, um sich lediglich auf seine Kosten amüsieren.
Ich habe lange gebraucht, um die oben beschriebene Situation mit den Nachbarskindern erfassen zu können. Begriffen habe ich nie, warum sie sich mir gegenüber so verhalten haben.