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Hoffentlich geht die Tür auf – hoffentlich geht diese Tür bloß auf!
Die Tür würde sicher aufgehen.
Sie musste aufgehen.
Sie musste.

Während ich die Haltestange mit beiden Händen umklammerte, starrte ich unentwegt auf den Türgriff der S-Bahn.
In wenigen Minuten würde der Zug im Hauptbahnhof einfahren.
Hoffentlich geht die Tür auf – hoffentlich geht diese Tür bloß auf!
Die Tür würde sicher aufgehen.
Sie musste aufgehen.
Sie musste.

Ganz deutlich konnte man meine Stimme hören, obwohl ich sehr leise sprach.
Eigentlich war es gar kein Sprechen, sondern nur ein unverständliches Murmeln.
Immer und immer wieder sprach ich diesen Satz aus, als könne er meine Angst mindern.
Hoffentlich geht die Tür auf – hoffentlich geht diese Tür bloß auf!
Die Tür würde sicher aufgehen.
Sie musste aufgehen.
Sie musste.

Es befanden sich noch andere Menschen im Zug, die ebenfalls an der nächsten Station aussteigen wollten. Sie hatten ihre Sitzplätze bereits verlassen. Aber darauf achtete ich nicht. Ich starrte weiterhin auf den Türgriff, den man mit ein wenig Kraft herunterdrücken musste, damit sich die schwere Tür nach außen öffnete.
Hoffentlich geht die Tür auf – hoffentlich geht diese Tür bloß auf!
Die Tür würde sicher aufgehen.
Sie musste aufgehen.
Sie musste.

Manchmal klemmte der Türgriff. Ich hatte schon erlebt, dass sich die Tür nicht öffnen ließ. Was würde geschehen, wenn ich nicht genug Kraft hätte, den Griff herunter zu drücken? Würde der Zug weiterfahren, bevor ich die Möglichkeit gehabt hätte, auszusteigen?
Theoretisch konnte es passieren, dass die Tür nicht aufging und ich eine Station zu weit fahren würde. Aber ich durfte nicht zu weit fahren. Der Gedanke machte mir Angst.
Hoffentlich geht die Tür auf – hoffentlich geht diese Tür bloß auf!
Die Tür würde sicher aufgehen.
Sie musste aufgehen.
Sie musste.

Das Tempo des Zuges verlangsamte sich.
Je mehr er sich dem Hauptbahnhof näherte, desto lauter und schneller ging mein Puls. Ich spürte ihn an den Fingern, mit denen ich den Haltegriff neben der Tür festhielt.
Das Quietschen der Bremsen schmerzte in meinen Ohren. Aber dieser Schmerz war nichts im Vergleich zu der Angst, dass sich die Tür nicht öffnen ließe.
Hoffentlich geht die Tür auf – hoffentlich geht diese Tür bloß auf!
Die Tür würde sicher aufgehen.
Sie musste aufgehen.
Sie musste.

Als der Zug endlich hielt, blieb ich regungslos vor der Tür stehen.
Ich hatte Angst. Schreckliche Angst. Angst, die mich lähmte.
Unfähig zu handeln, starrte ich auf den Boden.
„Kann ich dir helfen, junges Fräulein?“
Ein Mann stand direkt neben mir und drückte den Türgriff mit einem Ruck herunter, so dass sich die Tür zum Bahnsteig hin öffnete.

Die Tür war aufgegangen.
Sie war aufgegangen.
Aufgegangen.

 

 

Anmerkung:

Bis heute mag ich jene Türen in den Zügen nicht, die sich nur durch das Herunterdrücken eines Türgriffs öffnen lassen. Die Angst aus der Kindheit, den Zug nicht an dem gewünschten Bahnhof verlassen zu können, ist geblieben und führt noch heute dazu, dass ich während der Fahrt nur diesen einzigen Gedanken im Kopf habe:

Hoffentlich geht die Tür auf – hoffentlich geht diese Tür bloß auf!
Die Tür würde sicher aufgehen.
Sie musste aufgehen.
Sie musste.