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Mein Leben braucht Ordnung und einen akribisch durchgeplanten, strukturierten Tagesablauf, damit ich mich darin zurechtfinden kann.
Termine müssen frühzeitig und verbindlich festgelegt sein und möglichst nicht kurzfristig verlegt oder abgesagt werden.
Ein großer Wochenplan in der Diele schafft mit nach Art der Termine unterschiedlichen, farbigen Aufklebern eine visuelle Ordnung, welche mir eine ständige Kontrolle aller bevorstehenden Termine ermöglicht.
Diese Kontrolle ist für mich sehr wichtig, das sie mir ein großes Mass an Sicherheit und Halt gibt.

Je mehr ich mein Außen(er)leben kontrollieren kann, desto geringer ist das Chaos meines Innen(er)lebens. Aus diesem Grund wird Kontrolle in (emotionalen) Belastungssituationen zum Zwang, der sich darin manifestiert, dass ich meine Termine auf dem Wochenplan immer und immer wieder überprüfe und mich durch mehrmaliges Nachfragen bei den entsprechenden Personen vergewissere, dass die mit ihnen getroffene Verabredung tatsächlich zu dem vorher gesehenen Zeitpunkt stattfindet (dies mache ich allerdings in der Regel nur bei den Menschen, die mit vertraut sind und nicht bei Fremden oder offiziellen Anlässen).

Zur Bewältigung des Alltags ist neben einer genauen Zeitplanung zudem die Kontrolle von Kommunikations- und Handlungsabläufen von hoher Relevanz, wobei diese auf Grund mangelnder Vorhersehbarkeit nur bedingt durchführbar ist.

In der Kindheit war es für mich unerlässlich, stets die Kontrolle über den Spielverlauf zu behalten. Gelang dies nicht, wurde ich wütend und beharrte darauf, dass strikt nach meinen Regeln weiter gespielt wurde oder ich verlor das Interesse an dem Spiel und zog mich zurück.
Bis heute spiele ich streng nach den vorgeschriebenen Regeln, um das Spiel jederzeit kontrollieren zu können.

In der Kommunikation verläuft es ganz ähnlich.
Nur, wenn ich die Gesprächsführung übernehme, ist eine Kontrolle annähernd möglich.
Übernimmt ein Gesprächspartner die Führung, wird der weitere Verlauf des Gesprächs unvorhersehbar und entzieht sich damit meiner Kontrolle.
Daraus resultierend werde ich unsicher und ziehe mich aus dem Gespräch zurück.
Hierin liegt auch ein Grund dafür, dass ich Gespräche gerne monologisiere und andere häufig nicht zu Wort kommen lasse (was mir allerdings im Moment des Gesprächs nicht bewusst ist). Wechselseitige Kommunikation birgt immer das Risiko, die Kontrolle über den Gesprächsverlauf abgeben zu müssen und im Anschluss möglicherweise nicht wieder zu erlangen (zum Beispiel dann, wenn jemand Fragen stellt, die nicht eingeplant sind und deren Beantwortung mir spontan nicht möglich ist).

Handlungsabläufe werden kontrollierbar, wenn sie ritualisiert sind, was so viel bedeutet, dass sie sich ständig nach dem gleichen Muster vollziehen. Je komplexer ein Handlungsablauf ist, desto wichtiger wird seine Strukturierung. Handlungsabläufe werden von mir immer bis ins letzte Detail im Voraus geplant, damit sie weitgehend vorhersehbar sind.
Auch im Handeln ist es wichtig, die Führung zu übernehmen, damit der Ablauf kontrollierbar bleibt. Denn ein Kontrollverlust kann im schlimmsten Fall zur Handlungsunfähigkeit führen.
Schwierig wird es, Handlungsabläufe zu kontrollieren, wenn andere Menschen darin eingebunden sind, weil ihr Handeln häufig spontan und damit unvorhersehbar ist.
In vielen Fällen wird dadurch die Strukturierung eines Handlungsablaufs unterbrochen oder kurzfristig verändert, was dazu führt, dass die äußere Ordnung zerstört wird und die Situation dadurch nicht mehr kontrollierbar ist. Die Zerstörung der äußeren Ordnung wirkt sich unmittelbar auf das Innen(er)leben aus und löst dort ein Chaos aus.

Das innere Chaos wiederum bewirkt einen noch stärkeren Kontrollzwang des Außen(er)lebens und ein permanentes Wiederholen von Handlungsabläufen zur Wiederherstellung der verlorengegangenen Sicherheit.

Dazu ein paar Beispiele:

  • Wiederholtes Überprüfen des Terminplans
  • Wiederholtes Überprüfen, ob die Wohnungstür und die Autotür verschlossen sind
  • Wiederholte Kontrolle, ob das Bügeleisen, die Waschmaschine, der Herd etc. ausgeschaltet sind
  • Wiederholte Kontrolle des Inhaltes meiner Handtasche
  • Wiederholtes Schauen auf die Uhr zur Überprüfung der korrekten Zeitangabe

Je häufiger ein Handlungsablauf wiederholt wird, desto größer ist im Anschluss daran das Mass an zurück erlangter Sicherheit. Das gleiche gilt auch für Gedanken, die sich in einer solchen Situation so lange wiederholen, bis sie wieder geordnet sind (wobei dies häufig schwieriger ist und dementsprechend länger dauert).
Und nur, wenn ich ich die Kontrolle über die äußere Ordnung wiederhergestellt habe, wird auch das Innen(er)leben wieder kontrollierbar.