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Dieser Satz klingt einfach.
Ein bisschen ist nicht viel – eben nur ein bisschen, eine Kleinigkeit.
Nichts, das sich nicht bewerkstelligen ließe.
Dem zufolge gibt es lediglich einen einzigen Grund dafür, etwas nicht zu schaffen – mangelnde Anstrengungsbereitschaft.
Schließlich handelt es sich lediglich um alltägliche Kleinigkeiten, die jeder Mensch ohne Schwierigkeiten zu erledigen vermag.

„Du machst aber auch aus allem immer ein Problem.“
Nein, ich mache keine Problem daraus, für mich ist es ein Problem.
Nicht bloß eine Kleinigkeit.
Und ich leide darunter, dass ich in bestimmten Situationen nicht oder nur mit großem Kraftaufwand zu schaffen im stande bin, was anderen offenbar mühelos gelingt. Ich frage mich, woran es liegen mag, dass jene Dinge für mich ein Problem darstellen, in welchen meine Mitmenschen nur Kleinigkeiten sehen, die sie ohne Anstrengung und oftmals ohne darüber nachzudenken, erledigen.

„Stell dich nicht so an.“
Ich stelle mich nicht an. Im Gegenteil.
Ich versuche, die Erwartungen, die an mich gestellt werden, zu erfüllen.
Aber häufig gelingt mir das nicht, egal, wie sehr ich mich auch bemühe.
Da ich in vielen Bereichen – vor allen Dingen kognitiv – sehr gut funktioniere, kann sich niemand vorstellen, dass ich ausgerechnet an den einfachen Dingen scheitere.
Folglich kommt nur eine Erklärung für mein Verhalten in Frage – ich stelle mich an, gebe mir nicht genug Mühe, weil ich keine Lust dazu habe oder bin lediglich ein sturer Dickkopf, der sich weigert.

„Du könntest, wenn du nur wolltest.“
Nein. Ich will, aber ich kann nicht.
Und ich strenge mich an – immer und immer wieder.
Weil ich es schaffen möchte.
Schaffen muss.

Ich muss es schaffen
Ich muss es schaffen
Ich muss es schaffen

Wieder und wieder dröhnt dieser Satz in meinem Kopf, wenn ich vor einer aus meiner Sicht nicht oder nur unter größten Anstrengungen zu bewältigenden Aufgabe stehe.

Im Laufe der Zeit habe ich gelernt, Vermeidungsstrategien zu entwickeln.
Problematisch wird es nur in Situationen, die unumgänglich sind.
Dazu gehören Gespräche und Telefonate, vor allen Dingen die mit fremden Personen oder Behörden zu führenden. Und Arzttermine. Oder der Besuch von schulischen Veranstaltungen wie das jährlich stattfindende Sommerfest.
Aber vor allen Dingen alle von der täglichen Routine abweichenden Situationen, die jene Strukturierung zerstören, die mir Sicherheit gibt.
Für mich ist es keine Kleinigkeit, wenn ein unerwarteter Termin dazwischenkommt.
Ganz im Gegenteil.
Ein solcher Termin bringt mich völlig aus dem Konzept und kann mich im schlimmsten Fall handlungsunfähig machen.

„Du musst dich nur ein bisschen anstrengen.“
Wenn das so einfach wäre, wie es dieser Satz zum Ausdruck bringt.
Ein bisschen ist schließlich nicht viel – nur eine Kleinigkeit.
Es kommt allerdings darauf an, aus welchem Blickwinkel man eine solche Kleinigkeit betrachtet. Aus meinem zumindest wird sie dann sehr schnell riesengroß.