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Ich lernte zu warten, auch wenn es mir jedes Mal schwer fiel.
Ich lernte, Unplanbarkeit auszuhalten, auch wenn ich häufig daran scheiterte.
Das diffuse Gefühl der Nähelosigkeit aber kehrte zurück, sobald ich sie nicht sah oder ihre Stimme nicht hörte.
Schließlich fand ich in ihren Briefen etwas Greifbares.
Seitdem trage ich eine Geburtstagskarte, die sie mir geschrieben hat, immer bei mir.
Sie wurde fassbar, auch wenn sie nicht da war.
Das Fassbare ist etwas Faktisches, Nähe damit lediglich eine faktische Nähe.
Logisch begründet. Nichts, was ich spüren kann.
Ich lernte, dass in einer Freundschaft viele Dinge unvorhersehbar waren und ich diese infolgedessen weder vorwegnehmen noch kontrollieren konnte.
Und genau dieser Punkt stand im Gegensatz zu meinem Streben nach Sicherheit.
Sicherheit, die ich im Alltag brauche, weil sie mir Halt gibt.
Sicherheit, die Nähe, so wie ich sie wahrnehme, wiederholbar macht.

Die Zeit des Kennenlernens war eine Zeit der Unsicherheit.
An dieser Unsicherheit waren Freundschaften früher gescheitert.
Und an der Nähelosigkeit, die Zwischenräume füllte.
Zwischenräume, die nicht begrenzt waren, solange es keine verbindlichen Termine gab.
Zwischenräume, in denen sie hätte verlorengehen können.
Aber da waren Worte, die sie in der Nähelosigkeit greifbar machten.
Schwarz auf Weiß.
Ein Stück Papier, an dem ich mich festhalten konnte.
Ein Stück Papier, das mir gab, was ich nicht spüren konnte – Nähe.
Wenn ich die Worte las, dann war sie für einen Moment da.
Mein Verstand sagte mir, dass sie da ist.
Eine Tatsache, die sich logisch erklären, aber nicht fühlen ließ.

Das Fühlen beschränkte sich auf die Momente unmittelbarer Nähe.
Und in jenen Momenten wünschte ich mir, sie mit niemandem teilen zu müssen.
Denn Teilen hieß, dass ich mich in einem permanenten Wechsel zwischen Nähe und Nähelosigkeit befinden und nicht wissen würde, wie ich mich ihr gegenüber verhalten sollte.
Dann zog ich mich jedes Mal zurück und versank in einem Schweigen, welches mir Sicherheit bot, mich aber gleichzeitig von ihr so weit entfernte, dass sie mir am Ende unerreichbar schien.
Das Schweigen wurde zu einer Mauer zwischen ihrer und meiner Welt.
Ich brauchte ihre Hilfe, um meine Wortlosigkeit beenden zu können.
Doch wie sollte ich ihr das sagen, wenn ich keine Worte besaß?

Bewegungsdrang.
Hin und Hergehen zu wollen oder im Kreis, damit sich die Unruhe im Körper nicht ausbreiten konnte. Ich musste die Hände ruhig halten, damit ich nicht mit ihnen herum wedeln würde.
Der Körper verkrampfte sich, weil ich wortlos war und doch sprechen wollte.
Worte formten nicht das, was in mir war.
Nähelosigkeit hat keine Worte.
Sie macht das Fühlen unbegreifbar.

Ihre Stimme beruhigte mich. Sie drang durch die Nähelosigkeit zu mir.
Mein Körper entspannte sich langsam.
Sie war zu mir gekommen.
Sie stand neben mir.
Sie war da.
Sie war.
Sie ist.