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Als ich vor längerer Zeit beim Ausparken zu einem Bekannten sagte, er solle bitte die Musik ausmachen, weil ich sonst nichts sehen könne, stieß ich auf sehr großes Unverständnis bezüglich meiner Aussage. Das würde ich mir sicher nur einbilden. Lautstärke könne das Sehvermögen nicht beeinflussen. Wenn es überhaupt einen Zusammenhang gäbe, dann den, dass ich mich – bedingt durch die Lautstärke der Musik – schlechter konzentrieren könne.

Ich vergaß den Vorfall, bis das Autoradio beim Ausparken erneut lief (in der Regel schalte ich es – weil es mich stört – erst an, nachdem ich losgefahren bin) und ich nicht mehr in der Lage war, Entfernungen einzuschätzen und das vor und hinter mir parkende Auto richtig zu erkennen. Selbst den fließenden Verkehr nahm ich in dem Moment nur schemenhaft wahr.
Ich hatte das Gefühl, als blockiere die laute Musik meine optische Wahrnehmung.
Konnte das möglich sein oder lag es wirklich nur daran, dass mich Geräusche ablenkten und in der Konzentration störten?

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Situationen aus der Vergangenheit fallen mir ein, in denen ich durch eine zu hohe Lautstärke Probleme mit der optischen Wahrnehmung hatte.

Wenn es in einem Raum sehr laut ist, dann stolpere ich häufig über Gegenstände, die mir im Weg sind und die ich offensichtlich aufgrund des Lärms nicht oder nur verzerrt wahrnehme.
Meine Bewegungen sind dann auch ungeschickter und langsamer, weil ich das Gefühl habe, den Raum ganz anders wahrzunehmen und auf Details weniger zu achten als das sonst bei mir üblich ist. Das Sehen und Erfassen eines Bildes erschließt sich mir durch einzelne Details, die ich zu einem Ganzen zusammenfüge. Es scheint, als hindere mich eine akustische Reizüberflutung an einer detaillierten, optischen Wahrnehmung eines Bildes oder Raumes. Entfernungen verschwimmen und erschweren die Orientierung. Es ist, als könne ich Gegenstände oder Personen schlechter orten, sobald es laut ist.

Vor ein paar Monaten habe ich mir wegen meiner hohen Lärmempfindlichkeit einen Gehörschutz mit einem Lärmschutzfilter von 15 dB angeschafft.
Nun stelle ich fest, in der optischen Wahrnehmung eingeschränkt zu sein, wenn ich den Gehörschutz trage und dass, obwohl der Lärm ja dadurch reduziert wird und demnach keine Rolle mehr spielen dürfte. Trage ich die Ohrstöpsel beispielsweise auf dem Weg zur S-Bahn, dann nehme ich Unebenheiten auf der Straße nicht mehr oder nur sehr eingeschränkt wahr und kann die Höhe eines Bürgersteigs nicht mehr richtig erkennen, was häufig dazu führt, dass ich stolpere. Ebenso habe ich Schwierigkeiten damit, Entfernungen einzuschätzen. Dann kann es passieren, dass ich mich stoße oder zu großen Abstand halte aus Angst davor, einen Gegenstand oder eine Person im Vorübergehen zu berühren.

Diese Tatsache veranlasst mich zu der Feststellung, dass eine Einschränkung der akustischen Wahrnehmung bei mir gleichzeitig die optische, und in dem Bereich speziell die räumliche Wahrnehmung vermindert. Aber wie ist das möglich?

Dieser Frage werde ich auf jeden Fall auf den Grund gehen.