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Bei Diskussionen begegnet mir immer wieder die Situation, dass Beteiligte im Verlauf des Gesprächs die sachliche Ebene verlassen und in einer emotionalen Weise reagieren, die mir unverständlich ist. In der Regel passiert das dann, wenn sie der sachlichen Argumentation keine Fakten mehr entgegen zu setzen haben, ihren Standpunkt aber weiterhin verteidigen wollen, ohne diesen aufgrund der Gegenargumente einmal zu überdenken und – falls erforderlich – entsprechend zu korrigieren.
Doch emotionale Reaktionen können einer Gegenüberstellung von Fakten und sachlichen Argumenten nicht standhalten.
Nicht selten nimmt die Diskussion dann einen destruktiven Verlauf an und führt zu keinem Ergebnis, sondern im schlimmsten Fall zu einer Auseinandersetzung, die jeglicher Grundlage entbehrt und mit der ursprünglichen Gesprächsthematik in keinem Zusammenhang mehr steht.
Genau an dem Punkt, wo die sachliche Ebene verlassen wird, beginnt für mich die Problematik der weiteren Kommunikation.
Wie soll ich auf Emotionen der Gesprächsteilnehmer reagieren, deren kausalen Zusammenhang zum Inhalt der Diskussion ich nicht verstehen und nachvollziehen kann?

Durch eine unsachliche Argumentation wird einer Diskussion die Grundlage einer erfolgreichen und Sinn bringenden Gesprächsführung entzogen.
Möglicherweise ist das in dem Moment von der jeweiligen Person sogar beabsichtigt, weil ihr keine sachlichen Argumente mehr zur Verfügung stehen und sie zu anderen Mitteln greifen muss, um ihren Standpunkt weiterhin verteidigen zu können. Zumindest habe ich das im Verlauf vieler Diskussionen in der Vergangenheit so wahrgenommen, weil es mir in dem Moment schwierig bis unmöglich wurde, mich weiter an dem Gespräch zu beteiligen.
In diesen Fällen bleiben mir nur zwei Möglichkeiten – entweder ich halte unnachgiebig an meiner logischen Argumentation fest, in der Hoffnung, das Gespräch wieder auf die sachliche Ebene lenken zu können oder ich ziehe mich ganz zurück. Oftmals gelingt mir ein Rückzug aber wegen meines großen Gerechtigkeitsempfindens nicht. Je beharrlicher ich dann meinen Standpunkt mit sachlichen Argumenten zu behaupten versuche, desto emotionaler wird häufig die Reaktion meines Gegenübers, was mich wiederum sehr stark verunsichert und möglicherweise zu einem unangemessen oder – wie mein Vater früher in solchen Augenblicken sagte – kindischen Verhalten (Verlassen des Raumes, Weinen oder Wutausbrüchen) aufgrund einer massiven Überforderung mit der jeweiligen Situation führt.

Sehr schwierig wird es für mich bei Diskussionen, deren thematischer Inhalt emotional ist, da ich Gefühle logisch zu erfassen und zu erklären versuche und auch bei ganz persönlichen Gesprächen fast ausschließlich sachlich argumentiere und pragmatische Lösungen anstrebe.
Die Gefühlsebene meiner Gesprächspartner erscheint mir diffus, so dass es mir kaum möglich ist, mich damit auseinander zu setzen. Ich spüre nicht, was in dem Menschen, der mit mir kommuniziert, in dem Moment vorgeht und kann mich infolgedessen nicht darauf einlassen oder missverstehe Äußerungen, die in einem engen Zusammenhang zu dem emotionalen Erleben meines Gegenübers stehen. Ebenso wenig gelingt es mir, eigene Gefühle so in Worte zu fassen, dass sie für den anderen verständlich sind, weil sie in ihrer Komplexität für mich nur schwer zu (be)greifen sind. Oft erlebe ich es so, dass Außenstehende meine Gefühlslage präziser erfassen können, als ich jemals dazu in der Lage wäre.

Daraus resultiert wiederum eine große Verunsicherung, die mich zum Rückzug aus einer solchen Diskussion zwingt. In vielen Fällen erscheint es mir sinnvoller und effektiver, bei Meinungsverschiedenheiten die Schriftform zu wählen, da ich mich dann nur auf das Wort konzentrieren muss und nicht durch Gesten und emotionale Reaktionen der Gesprächsteilnehmer verunsichert und aus meinem Konzept gebracht werde. Auch, wenn ich mögliche Emotionen dem Kontext nicht entnehmen werde, weil mir die Fähigkeit fehlt, zwischen den Zeilen zu lesen, so ergibt sich für mich im lediglich wortwörtlichen und logischen Verständnis eine bessere Grundlage für den erfolgreichen und Ziel führenden Verlauf eines Gesprächs.