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In dem Wunsch, einmal eine Prinzessin sein zu dürfen, unterschied ich mich nicht von den anderen Mädchen im Kindergarten. Doch während ihnen dieser Traum Karneval erfüllt wurde und sie mit langen Rüschenkleidern, einem goldfarbenem Krönchen auf dem Kopf und rosa geschminkten Lippen über die Straße stolzierten, steckte ich in einem Clownkostüm oder war als Hänneschen verkleidet worden.
Dabei lachten mich die Kinder schon oft genug aus, weil meine Beine krumm und mein Gang tollpatschig war. Zudem bot meine Brille mit dem auffällig, unförmigen Gestell häufig Anlass zu Hänseleien.

So ein Kostüm passt einfach nicht zu dir“, sagte meine Mutter immer wieder, wenn ich darum bettelte, Karneval auch ein einziges Mal so ein feines Rüschenkleid haben zu dürfen wie die anderen Mädchen im Kindergarten oder später in der Grundschule. Irgend etwas an meinem Äußeren schien merkwürdig und einer Prinzessin nicht entsprechend zu sein – ich hatte keine Erklärung dafür, warum dieses Kostüm, von dem alle Mädchen träumten, ausgerechnet zu mir nicht passen sollte.

„Du bist ein richtiger Clown. Das Kostüm passt zu dir.“
Aber ich wollte kein Clown sein, über den die Menschen lachten, weil er komisch aussah.
Ich wollte genauso bewundert werden wie die anderen Mädchen in ihren rosafarbenen Kleidchen, wünschte mir, zu ihnen gehören und nicht schon wieder eine Außenseiterin zu sein.

Dass ich anders war, spürte ich schon damals.
Nein, ich wusste es, weil ich Dinge machte, über die man nicht sprechen dürfte, wie das monotone Hin- und Herwühlen mit dem Kopf jeden Abend im Bett oder mein panisches, hyperaktives Verhalten bei Krankheiten oder kleinsten Veränderungen im Alltag (welche allerdings erst heute parallel zum ähnlichen Verhaltensmuster meines Sohnes als Grund für meine Ängste angenommen werden können).

Außerdem war ich altklug und konnte nicht lange ruhig sitzen bleiben – ein Verhalten, welches sich für eine Prinzessin nicht geziemte.
Folglich blieb mein Wunsch unerfüllt und zwar nicht nur während des Karnevals, sondern auch im Alltag. Ich sei viel zu burschikos, um niedliche Kleidchen zu tragen. Meine langen, lockigen Haare mussten schon früh sehr kurz geschnitten werden, weil sie durch das Herumwühlen im Bett ständig verknotet und verfilzt waren und an meine großen und breiten Füße passten keine Lackschuhe mit Schnallen, wie die anderen Mädchen sie trugen.
So unterschied ich mich nicht nur durch mein oft sonderbares Verhalten, sondern auch durch meine äußerlichen Besonderheiten von meinen Klassenkameradinnen.

Dabei hatte ich nur den Wunsch, genauso zu sein wie alle Mädchen.
Und dazu hätte eben auch gehört, zumindest einmal im Leben eine Prinzessin zu sein.