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Die letzten Tage haben Spuren hinterlassen.
Nicht nur auf meiner Haut.
Ich weiß, dass ich eine Grenze erreicht habe, die ich nicht überschreiten darf.
Aber das fällt schwer, wenn so viel Wut in mir ist und Verzweiflung.
Wenn ich kämpfen will und spüre, dass es nicht mehr geht.
Dass die Kraft, zu kämpfen nicht reicht.
Dass sie nur noch reicht, um im Alltag zu funktionieren.
Ich habe verloren.
Und ich fühle mich schuldig.
Schuldig, dass meine Kraft nicht reicht, dass ich versagt habe.
Dass wir nun einen Weg gehen müssen, den ich nie gewollt habe.
Den ich nicht gehen will, nicht gehen kann.
Sie sagen, dass ich dringend Ruhe brauche.
Doch wie soll ich zur Ruhe kommen, wenn mich das Außen ständig erdrückt?
Wenn der Druck, den das Außen auf mich ausübt, einen Weg zu gehen, den ich nicht gehen will, täglich größer wird, wenn er längst unerträglich geworden ist und ich ihm nicht ausweichen kann.
Wie soll ich zur Ruhe kommen, wenn mich das Außen nicht in Ruhe lässt?
Wenn es eine Entscheidung von mir verlangt, die ich weder treffen will noch treffen kann, weil sich alles in mir sträubt und die Verzweiflung in
meinem Innen-Sein schreit.
Aber ich darf nicht schreien, muss aufpassen, was ich sage.
Muss auf mich aufpassen und darauf, dass ich nicht noch einmal in eine solche Grenzsituation gerate wie in der letzten Woche.
Muss funktionieren, auch wenn alles mehr Zeit braucht und ich sehr schnell erschöpft bin. Schneller vom Alltag erschöpft bin als sonst.
Gegen die schlaflosen Nächte gibt es Medikamente – Tropfen, die ich jetzt nehme, obwohl ich Medikamente nicht mag und mich lange dagegen gewehrt habe.
Doch gegen den immer größer werdenden Druck von Außen, einen Weg zu gehen, den ich nicht gehen will, gibt es keine Tropfen. Nur den Wunsch, an einem Ort zu sein, an dem mich das Außen nicht mehr erreicht.
Deshalb habe ich kurzfristig für ein paar Tage ein Hotelzimmer gebucht, in einer Stadt, die mir nicht fremd ist.
Obwohl mich Kurzfristiges und Spontanes überfordert, bietet es im Moment die einzige Möglichkeit, mich zurückzuziehen und ein wenig Kraft zu tanken.
Zuhause werde ich keine Ruhe finden. Zuhause ist zu nah am Außen.
Dennoch fällt es mir besonders schwer, mich von dem Ort trennen zu müssen, der mir bisher immer Sicherheit gegeben hat. Ich will nicht in einem fremden Bett schlafen und mit fremden Menschen in einem Raum frühstücken.
Ich will alleine sein.
Und ich brauche Vertrautes, an dem mich mich festhalten kann.
Ich werde es mitnehmen. Alles mitnehmen, was mir Sicherheit gibt.
Sicherheit, die ich jetzt noch dringender benötige als sonst, weil mir das Außen den Halt genommen hat und ich Angst habe, auch den Innen-Halt zu verlieren.
Das darf nicht passieren, dass ich den Innen-Halt verliere, dass ich die Grenze noch einmal erreiche oder sogar überschreite, weil die Kraft nicht mehr reicht.
Ich habe Angst.
Aber diese Angst schützt mich auch.
Ich muss auf mich aufpassen. Muss mich zur Ruhe zwingen, damit die Kraft wieder reicht, weiter zu machen und mich wehren zu können gegen einen Weg, den ich nicht gehen will.
Liebe Frau Kiefner,
lassen Sie den Kopf nicht hängen ! Sie haben doch recht !
Die Welt, das Aussen ist grausam, aber deswegen geben Sie doch nicht auf.
Erholen Sie sich und dann wehren Sie sich indem Sie sich Verbündete suchen und gemeinsam Strategien entwickeln.
Gehen Sie zu Gesprächen mit Schulen nicht alleine. Das hilft Distanz zu halten und die Gefühle nicht zu zeigen. Es ist ein Kampf und den kämpfen Sie nur mit kühlem Kopf!
Vielleicht können Sie eine andere Schule finden , die keine Förderschule ist?
Zeigen Sie es denen!!!
Fahren Sie Ihre Krallen aus und zeigen Ihre Zähne und lassen Sie es nicht zu dass Sie Wege gehen die Sie nicht wollen.
Richten Sie Ihre Wut nach aussen und bloss nicht nach innen.
Sie sind nicht alleine!
mit kämpferischen Grüssen
Christine Friedel
Sie sind nicht allein. Wir kämpfen auch unseren Kampf für unseren Sohn und wir geben nicht auf. Und wir werden es Allen zeigen weil wir gewinnen werden.
Frau Friedel, wie gerne möchte ich es jenen zeigen, die meinen Sohn aussondern wollen und ihm keine Chance mehr geben. Aber mir fehlt im Augenblick die Kraft dazu. Deshalb fühle ich mich schuldig. Weil ich nicht so kämpfen kann, wie es die Situation verlangt. Ich will nicht aufgeben, aber ich muss meine Kraft genau einteilen, um nicht noch einmal die Grenze zu erreichen, die mich vor zehn Tagen fast selber in eine psychiatrische Klinik gebracht hätte.
Bitte versuche dort Hilfe zu bekommen:
http://autisten.enthinderung.de/ombudsrat
Dort wird man dich am ehesten verstehen.
Guten Morgen, Sabine
bitte fühl Dich nun nicht auch noch schuldig. “Schuldig” bist Du überhaupt nicht, Du kannst nichts dafür, dass es so gekommen ist. Es ist dieses drumherum, dieses “zu viel” für Dich was alles so schwer macht. Ich spür schon beim Lesen Deine innere Verzweiflung. Es wird “Hilfe” genannt und ist so gar nicht das Richtige für Dich.
Ich bin scheinbar sehr stabil und kann lang gelassen bleiben. Aber die seid Monaten schlimme Schulsituation von Robert hat es nun auch geschafft, dass ich nachts ständig wach liege, plötzlich Alpträume haben ….
nun kann ich aber sofort mit dem Robert-Papa reden, ich hab jemanden an meiner Seite. Auch wir sind in den Augen von einigen. “Fachleuten” unfähig und “stur”. Aber ich weiss mich dann zu wehren. Suche nach Mitstreitern, wirklichen Menschen die den Autismus verstehen. (und habe auch nun wieder zwei Menschen gefunden, die Robert verstehen). Wir stehen noch immer vor der Situation, dass es keine Schule in der Nähe für Robert gibt, aber wir bleiben beim “nein”, wir geben ihn nicht weg in eine Einrichtung. Dieser Kampf ist so schwer und psychisch anstrengend. Und wenn es nun so ist wie bei Dir, dann wundert es mich gar nicht, dass Du so kraftlos, müde gemacht worden bist. Deine “Hilfen” sehen nicht wirklich was Dir hilft. Sehen die Not nicht.
Du bist die Mama, es ist Dein Sohn. Und ich bin mir ganz sicher, dass Du ihn am allerbesten verstehst. Für die Menschen die Ihr an der Seite habt mag es “falsch” sein, aber sie sollten Euch wirklich nur unterstützen und nicht auch noch alles schlimmer machen. Und sie merken es nichtmal.
Wenn Du es schaffst, dann schreib es immerwieder auf. Deine Gedanken, und ganz besonders Deine Wünsche. Es geht um Dich und um Dein Kind. Und es ist Deine Art zu Leben. Und auch wenn die alle überzeugt sind “dass sie es besser wissen” versuche schriftlich dagegen zu halten.
Auch wenn Deine Kraft ganz klein geworden ist so wird es weitergehen. Du wirst wieder stärker werden, ich wünsche Dir das ganz fest.
Ich selber glaube nicht mehr an die Inklusion, Integration und all das. Die Erfahrungen der letzten Monate haben uns das Gegenteil vor Augen geführt.
Wir haben Jahre an die Hilfe von Menschen geglaubt, die gut reden können. Die sich Fachleute für Autismus nennen … und die am Ende so böse und so rücksichtslos geworden sind. Niemand wollte dort mehr dem Kind helfen. Es wurde ein Machtspiel. Auf uns als Eltern wurde mit abschätzenden Blick runtergeschaut.
Ich dachte die letzten Wochen oft, dass ich nie mehr jemanden vertrauensvoll mein Kind übergeben werde, und musste doch lernen, dass es nur geht wenn man das Alte nach hinten schiebt und wieder und immerwieder neue Wege geht. Das fällt mir sehr schwer momentan, und wie muss es Dir dann erst gehen… Du hast Dir die neuen Wege nicht selber suchen dürfen. Du sollst immer das tun was Dir vorgesetzt wird. Ich selber steh dann wieder auf und rede, und frage und bin wohl sehr “ungemütlich” für die Gegenüber. Und ich hoffe sehr, dass Du es schaffst mit vielen Briefen auch so weit zu kommen, dass Du Deine Gegenüber schriftlich zwingen kannst auf Dich zu hören.
Auch wenn ich nicht immer hier schreibe, ich lese ständig bei Dir hier. Es tut mir leid, dass es so gekommen ist für Euch. Alles Liebe
Elisabeth (die an Dich glaubt und sich sehr wünscht, dass Du wieder Kraft findest)
Liebe Elisabeth,
so vieles, was du beschreibst, kenne ich auch aus dem eigenen Erleben.
Ich habe den Glauben an eine Inklusion auch verloren. Inklusion ist eine Illusion.
Die Wirklichkeit sieht ganz anders aus. Immer häufiger spüre ich die Ratlosigkeit derer, die helfen möchten, aber auch nicht weiter kommen, weil die Gesellschaft gar nicht bereit ist, Inklusion zu leben. Das Aussondern ist immer noch der übliche Weg, in den ich als Mutter gedrängt werde, zumals als autistische Mutter, der dann sehr schnell Erziehungsunfähigkeit unterstellt wird oder zumindest eine falsche Sicht der Dinge. Und wenn mir die Kraft zum Kämpfen ausgeht, sehen sich viele bestätigt in ihrer Meinung, dass ich überfordert bin und mein Kind besser teilstationär untergebracht werden sollte. Das ist einfacher, als wirkliche Unterstützung anzubieten.
Und solange sich die auf Aussonderung programmierte Sicht der Menschen nicht ändert, wird diese weiter praktiziert werden – natürlich zum Wohl des Kindes.
Glauben diese Menschen wirklich an das, was sie sagen oder machen sie sich nur etwas vor, um ihr Gewissen zu beruhigen?
Ich weiß nicht, wie weit meine Kraft noch reichen wird.
Im Moment reicht sie gerade noch, um den Alltag zu bewältigen.
Und an die Grenze, die ich vor zehn Tagen erreicht habe, möchte ich nicht noch einmal geraten. Aus diesem Grund heißt dieser Text “Danach”.
Liebe Grüße
Sabine