Schlagwörter
Asperger-Syndrom, Autismus, Erschöpfung, Funktionieren, Hilfe
Heute war ein Tag, der mir deutlich gemacht hat, dass es Grenzen gibt, die ich nicht noch einmal überschreiten möchte.
Meine Hände sind zerkratzt und die wunde Haut brennt.
Es läuft etwas falsch, wenn der Druck im Innen-Sein so unerträglich ist, dass ich unentwegt kratzen muss und meine Hände nicht kontrollieren kann.
Dass ich schweige, obwohl ich laut schreien möchte und erstarrt sitzen bleibe, obwohl ich am liebsten weglaufen will.
Warum lasse ich es zu, dass das Außen mich überrennt und in mein Innen-Sein eindringt?
Warum sitze ich dort und ertrage es, dass wieder etwas über meinen Kopf hinweg und gegen meinen Willen entschieden wird?
Alleine diesen Termin wahrzunehmen hat mich so viel Kraft gekostet, dass nichts mehr davon übrigbleibt, um „Ich will nicht“ zu sagen.
Ich muss mich darauf konzentrieren zu funktionieren und dem Gespräch trotz der Lautstärke in dem Café zu folgen, damit ich jedes Wort abspeichern und das Gesagte anschließend zuhause in Ruhe analysieren und darauf reagieren kann. Spontan zu reagieren ist mir unmöglich.
Deshalb schweige ich. Weil ich die passenden Worte nicht finde und das Zuviel an Gefühlen erst sortieren muss, welches ihre Worte und ihr Handeln auslösen und mit dem ich in der Situation selber überfordert bin.
Außerdem muss ich mein Innen-Sein schützen vor einer Überflutung von Außeneinwirkungen, damit ich weiter funktionieren kann und nicht die Kontrolle darüber verliere.
Das Zurückziehen in das Erstarrt-Sein ist die einzige Möglichkeit, die mir bleibt.
Die halbe Stunde, die wir vereinbart haben, ist längst vorbei.
Ich muss gehen. Ich kann nicht mehr. Nicht einmal sagen, dass ich den Druck in meinem Innen-Sein nicht mehr lange aushalte.
Sie, die ich heute kennenlernen musste und mit der ich mich in Zukunft regelmäßig treffen soll, bleibt sitzen, so dass wir das Café verlassen müssen.
Ich will nach Hause. So schnell wie möglich an den Ort, der mir wieder Sicherheit gibt und mich vor Fremdem schützt.
Ich weiß nicht, wie ich es schaffen soll, das nächste Mal ohne sie dort hinzugehen.
Ohne einen Menschen, der mir vertraut ist und Halt gibt.
Ich bin so erschöpft, dass mir das Reden mit ihr zu schwerfällt, sie zu fragen, ob sie mich für einen Moment festhalten kann. Die meisten Worte bleiben in mir, obwohl sie mir viele Fragen stellt. Fragen, die ich nicht beantworten kann. Aber sie versteht, dass ich überfordert bin und drängt nicht.
Heute bin ich erleichtert, als sie geht und ich endlich alleine bin. Regungslos da sitze und nichts mehr um mich herum wahrnehme als die Kratzer auf meinen Händen, die sich ganz rau anfühlen.
Und dann kommt sie ganz plötzlich, die Reaktion auf das Gespräch im Café.
So kann es nicht weitergehen, so will ich das nicht.
Dass Hilfe zur Belastung wird und mir die Kraft nimmt, im Alltag zu funktionieren.
Dass Hilfe neuen Stress schafft, statt mich zu entlasten.
Dass ich mich an die vorgeschriebene Form der Hilfe anpassen muss und diese nicht meinen Bedürfnissen angepasst wird.
Dass ich nicht entscheiden kann, was mir gut tut und mich entlastet.
Dass mich das Gefühl bedrängt, fremd bestimmt zu werden.
Dass ich zu etwas gezwungen werde, was ich nicht will.
Wenn das langfristig der einzige Weg ist, Unterstützung zu bekommen, werde ich diesen Weg verlassen müssen. Weil es unter diesen Bedingungen kein gangbarer Weg mehr für mich ist.
Diese Gedanken machen mir Angst.
Sie nehmen zu viel Raum ein. Viel zu viel Raum.
Und verbrauchen alle Kraft, die ich für die anderen bevorstehende Entscheidungen dringend benötige. Entscheidungen, die ich nur treffen kann, wenn die Sicherheit zurückkehrt, die ich gerade verloren habe.
Ich brauche Abstand. Muss meine Gedanken sortieren und das Fühlen aufhalten, das mich überrennt. Muss wieder funktionieren. Funktionieren. Funktionieren.
So schnell wie möglich wieder funktionieren, weil ich am Nachmittag einen Termin habe, den ich unbedingt einhalten muss, weil ich dort reden kann. Dort ist Raum für alle Gedanken und das Fühlen, was ich jetzt unterdrücken muss, um funktionieren zu können. Um den Weg dahin überhaupt zu schaffen.
Erschöpft bin ich, als ich dort ankomme. Erschöpfter noch als am Vormittag nach dem Gespräch im Café. Zu erschöpft, um darüber zu sprechen, was in mir ist.
So bleibt alles in meinem Innen-Sein. Außer den Kratzern auf der rechten Hand, die ich nicht verbergen kann.
Ich empfehle dir, dir das was besprochen werden soll schriflich geben zu lassen, und zwar vor dem Gespräch und fordere für das Gespräch eine ruhige barrierefreie Athmosphäre. Ansonsten lehne es ab, mit der Begründung, dass dies nicht barrirerfrei ist. Gibt es dabei Schwierigkeiten kannst du bei der ESH um Unterstützung ersuchen.
Es tut mir leid,das es dir zur Zeit so schlecht geht.
Wenn du reden möchtest,dann kannst du dich jederzeit bei mir melden.
Ich hoffe,das es bald endlich eine bessere Zeit für dich und deinen Sohn geben wird.
Liebe Grüsse
Nicole
Frieda, die Hilfe, die ich bisher bekommen habe, war für mich optimal. Nun soll sich etwas daran ändern, obwohl ich das nicht möchte und in meiner momentanen Situation auch nicht leisten kann, weil diese Veränderung für mich mit sehr viel Stress und Belastung verbunden ist und es mir sehr schlecht damit geht.
Men Wunsch ist nicht sehr groß.
Ich möchte, dass man mir einfach zuhört und akzeptiert, dass ich mit dieser Änderung überfordert bin, sie nicht leisten kann und auch nicht will.
Warum soll ich etwas verändern, womit ich sehr zufrieden bin und was mir ein großes Mass an Sicherheit und Halt gibt?
Ich weiß am besten, was mir hilft und mag es nicht, wenn Entscheidungen über meinen Kopf hinweg und gegen meinen Willen getroffen werden.
Was nützt mir eine Unterstützung, die zu einem großen Stressfaktor wird, statt mir meinen Alltag zu erleichtern?
Gibt es für die Änderung einen Grund? Also kann z.Bsp die Hilfe die bisher da war, das in dem Umfang nicht mehr leisten oder wird es nicht mehr übernommen? Könnte die Hilfe die bisher da war – vermitteln? Gibt es einen Kompromiss, der für alle Beteiligten möglich ist?
Ich verstehe die Situation nicht recht – weiß aus eigener Erfahrung mit Betreuung, dass es schwierig ist den passenden zu finden und als die Betreuung, die für mich gut war wegzubrechen drohte und geändert werden sollte, gab es Probleme. Ich habe es (mit Hilfe) geschafft das dann auch zu sagen – denn der andere kann ja nicht Gedanken lesen. Da gab es welche, leider mehr, die es nicht verstanden.
Ich hab bei der gesetzl. Betreuung jetzt den dritten – die erste mit Hilfe einer Klinik gewechselt weil sie mir nicht gut tat, den zweiten ebenfalls, allerdings kam mir da der Zufall zu Hilfe und mit dem jetzigen läut es gut. Bei der ambulanten Betreuung hab ich drei “abgelehnt” – weil es mehr Stress war als Hilfe, weil es mehr schadete als half.
Über den Kopf hinweg – klingt so nach gesetzl. Betreuung – auch da hast du das Recht zu sagen, dass du jemand anderen möchtest! Auch da geht es nicht darum dass jemand über dich “bestimmt”, sondern dich unterstützt, eben Sachen auch machen kann, wenn du es nicht schaffst, aber dabei dich durchaus das machen lässt was du kannst.
Wenn ich ganz falsch liege – ignorier das hier einfach bitte. Wie gesagt – ich weiß nicht um was es bei dir grad geht.
Aber ich wünsche dir viel Kraft – und jemand, der dir helfen kann – zu vermitteln, der dich “vertritt”, wenn du es nicht schaffst, der in deinem Sinne nach – machbaren – Kompromissen sucht.
“…damit ich jedes Wort abspeichern und das Gesagte anschließend zuhause in Ruhe analysieren und darauf reagieren kann. Spontan zu reagieren ist mir unmöglich.
Deshalb schweige ich. Weil ich die passenden Worte nicht finde und das Zuviel an Gefühlen erst sortieren muss…” – das kann ich sehr gut nachvollziehen, Sabine. “Jetzt, hier und sofort” ist oftmals nicht möglich. Das ist dann zu viel auf einmal.
Hm…ich wünsche dir, dass sich eine Möglichkeit findet, die dir zuträglicher ist und die nicht noch mehr Stress verursacht – ja, das wünsche ich dir wirklich von Herzen.
Viele Grüße!
Meike
Oh weh… das ist wirklich krass. Tut mir echt leid, dass du sowas erleben musst.
Zitat: “Dass Hilfe neuen Stress schafft, statt mich zu entlasten.”
Das ist wohl ein wichtiger Punkt. Mal so als Frage: Was könntest du dir als Hilfe vorstellen, das keinen neuen oder zusätzlichen Stress schafft? Ich bin zwar kein Autist, versuche mich aber seit ca. einem Jahr in diese Welt reinzudenken. Es interessiert mich sehr, wie da was miteinander zusammen hängt. Wie Leid gemildert werden kann.
Ich bin ein sogenannter “Hochsensibler” und manche Sachen kommen mir da auch ein bisschen bekannt vor, wenn auch auf andere Weise (nicht die Eindrücke selbst stressen mich, sondern ihre Intensität). Z.B. kenne ich das auch, dass wenn ich mal wegen irgendwas Stressigem geheult habe (weil’s zu viel war), dass dann auch noch irgendwelche “wohlmeinenden” Leute an mir rumtätschelten (was für mich aber noch mehr Stress bedeutete) und ich mich dann auch noch brav für den “Trost” bedanken musste – und diese Leute einfach nicht kappiert haben, dass ich nicht heule, weil ich “traurig” bin, sondern dass mir irgendwas einfach zu viel Stress macht, also mein Nervenkostüm einfach nur runter ist. Mehr nicht! Ein bisschen Erholung, und ich bin wieder fit. Aber das glaubt dann keiner und es werden irgendwelche dubiosen “Gründe” gesucht, was ich wohl alles hätte und mal müsste und ich wolle wohl bloß nicht usw……. *nervig*
Was hätte mir da am meisten geholfen? Wenn jemand einfach mit mir zusammen meinen Kummer ausgehalten hätte, kein großes Palaber, sondern einfach nur ein mitfühlender Blick oder so.
Was wäre dein Traumwunsch, wie jemand dir mit irgendeinem Verhalten (wirkliche) Hilfe sein könnte?
Grüsse von frieda