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Angst, Asperger-Syndrom, Autismus, Bedürfnisse, Glück, Zwang
Ein Satz aus meiner Kindheit.
Seit Wochen schwirrt er – aus aktuellem Anlass – in meinem Kopf herum.
Ich will mich nicht zwingen lassen. Will, dass meine Entscheidung akzeptiert wird.
Ich kann sehr gut selber entscheiden, was Glück für mich ist.
Konnte es damals schon.
Aber viele Menschen glaubten, besser zu wissen, was gut für mich ist.
Manche glauben es heute noch und treffen Entscheidungen über meinen Kopf hinweg.
Immer und immer wieder.
Obwohl ich es nicht will.
Ich werde es nicht zulassen.
Werde nicht zulassen, dass sie ihre Entscheidung bereits getroffen haben, ohne mit mir darüber gesprochen zu haben und Rücksicht auf meine Bedürfnisse zu nehmen, weil sie glauben, besser zu wissen, was mein Glück ist.
Ich werde mich nicht mehr zwingen lassen.
Glück und Zwang sind zwei Dinge, die nicht zusammenpassen.
Wenn mich jemand zwingt, etwas zu tun, dann mache ich dieses Etwas nicht freiwillig.
Dann widerspricht es meinen Vorstellungen und der Entscheidung, die ich getroffen habe.
Für mich getroffen habe.
Ich soll lernen, mehr auf meine Bedürfnisse zu schauen und auf mich zu achten.
Doch das kann ich nicht, solange Menschen immer wieder glauben, besser zu wissen, was gut für mich ist und mir ihre Entscheidung aufzwingen.
Ich will, dass die Menschen, die mich unterstützen, mit mir gemeinsam nach Lösungen suchen und nicht über meinen Kopf hinweg.
Ich weiß genau, was richtig für mich ist und mir hilft.
Ich weiß genau, was ich ich benötige, was mein „Glück“ ist.
Ich spüre sehr genau, was mir gut tut, weil mein Innen-Sein in solchen Momenten entspannt.
Nur bleiben die Worte oft in mir, finden den Weg aus meinem Innen-Sein nicht.
Weil ich nicht gelernt habe, über meine Bedürfnisse zu sprechen.
Weil andere immer glaubten, besser zu wissen, was gut für mich ist.
Weil ich zu meinem Glück gezwungen wurde und niemand bemerkte, dass ich nicht glücklich war.
Zwingen musste man mich besonders dann, wenn ich vor etwas Angst hatte.
Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Angst ist immer der wichtigste Faktor, wenn es darum geht, zu entscheiden, was gut für mich ist. Wenn mir etwas Angst macht, kann es mir weder helfen noch kann es mich glücklich machen. Dann setzt es mich lediglich einem enormen Stress aus, der – wenn ich mich nicht zurückziehe – auf Dauer zu einem Zusammenbruch führt.
Sie glaubten, ich würde meine Ängste überwinden, wenn ich das Glück erst einmal erkannte, was hinter ihrem Zwang stand, etwas zu tun.
Aber ich sah kein Glück.
Nahm nur die Angst wahr und den Wunsch, mich zurückzuziehen.
Und ihre Freude darüber, dass sie mich zum Glück hatten zwingen können.
Zu ihrem Glück – nicht zu meinem.
Als ich älter wurde, entwickelte ich zahlreiche Vermeidungsstrategien.
Ich lernte, mich dem Zwang der anderen zu widersetzen.
Sie nannten es Sturheit und bezeichneten mich als aufsässig und faul.
Mir war das gleichgültig, solange ich mich dadurch der Angst vor einer Situation oder einem Menschen entziehen konnte.
Aber Angst auslösende Situationen grundsätzlich zu vermeiden, hieß auch, einige Ziele nicht erreichen zu können und meine Bedürfnisse immer häufiger in den Hintergrund zu stellen.
Erst durch die Auseinandersetzung mit meiner Diagnose habe ich gelernt, meine Ängste zu erkennen und benennen zu können. Sie nach außen hin sichtbar zu machen.
Auf diese Weise können die Ängste in Entscheidungen mit einbezogen und akzeptiert werden unter der Voraussetzung, dass man mit mir gemeinsam nach Lösungen sucht und nicht über meinen Kopf hinweg entscheidet.
Ich habe ein Recht darauf, dass man meine Ängste ernst nimmt und respektiert.
Ich habe ein Recht darauf, dass man mich nicht zu meinem Glück zwingt, sondern gemeinsam mit mir nach einem Weg sucht, dieses Glück zu finden.
Denn Glück kann ich nicht finden, wenn der Weg dorthin durch Zwang zu einem
unüberwindbaren und krank machenden Stressfaktor wird.
Dass man dich immer zu deinem Glück zwingen muss.
Nein, dass muss man nicht.
Ich finde mein Glück auch alleine.
Und dort, wo ich Unterstützung benötige, braucht es nur, dass man mir zuhört und meine Bedürfnisse wahrnimmt, auch wenn diese möglicherweise anders sind als gewöhnlich.
So, wie ich anders bin.
Kenne diesen Zustand zu Genüge. Irgendwann kam dann bei mir auch immer der Spruch mit dem inneren Schweinehund…
Bis heute hat sich das nicht verändert. Andere Leute meinen zu wissen was gut für mich ist, obwohl ich selber weiß was gut für mich ist und es auch sagen kann, das wird aber ignoriert, denn die anderen Leute wissen es ja “besser”.
Wenn ich Sorgen und Probleme habe will ich darüber mit jemandem reden, der mir das Gefühl gibt mich zu verstehen, auf meiner Seite zu stehen, Statt dessen bekomme ich immer eine Handvoll “guter Ratschläge” (Du solltest, müßtest, könntest..), um die ich explizit nicht gebeten habe.
Furchtbar.
Aufgezwungen fühlt es sich immer an, wenn ich etwas gegen meinen Willen tun muss.
Als Kind sollte ich mit den anderen Kindern auf der Strasse spielen, obwohl ich lieber zuhause bei meinen Büchern geblieben wäre – dort, wo ich mich sicher fühlte.
Für mich war das ein Zwang und ich war nicht glücklich, draußen zu sein bei den anderen Kindern, weil sie mich häufig hänselten.
Überzeugung ist für mich etwas anderes. Wenn mich jemand mit Worten überzeugt, etwas zu tun, dann handele ich nicht gegen meinen Willen, sondern, weil ich meine Meinung durch die Worte des anderen geändert habe.
Leider kommt es immer wieder vor, dass Menschen mich mit Worten überrennen, wenn sie mich überzeugen wollen und ich mich dann nicht wehren kann gegen dieses Zuviel an Worten. Ich handele dann auch gegen meinen Willen. In solchen Fällen fühle ich mich fremdbestimmt. Nicht mit Argumenten überzeugt, sondern durch Worte bedrängt, gegen meinen Willen zu handeln. Das macht mich wütend, weil ich in dem Moment meine Hilflosigkeit spüre und das Gefühl, dem anderen ausgeliefert zu sein.
In der Konsequenz ziehe ich mich dann zurück, schweige. Versuche, die Situation oder die Menschen, die mich mit Worten gezwungen haben, etwas zu tun, zu meiden.
Gibt es denn für einen Außenstehenden eine Möglichkeit zu merken, wann er Dich “überrennt”? Z.B. dadurch, dass Du immer stiller wirst? Also ich denke, DU kannst in dem Moment dann wenig tun, aber könnte es der andere, wenn er WIRKLICH daran interessiert wäre, Dir etwas Gutes zu tun bzw. dass Du etwas tust, was für Dich gut ist.
Grundsätzlich ist bei jedem Kontakt ja ein aufeinander zu gehen von beiden Seiten nötig. Nur leider vergessen Nicht-Autisten oftmals, dass sie vielleicht einen Schritt mehr oder anders machen müssten, damit die Kommunikation gut läuft. Ich denke, es könnte so einfach sein, wenn nur diejenigen, die flexibler sein können, mehr Flexibilität beweisen würden.
Ich weiß nicht, inwiefern mein Gegenüber bemerkt, dass ich mich überrennt fühle und mit der Situation überfordert bin. Ich selber spüre das auch immer erst dann, wenn die Überforderung bereits sehr groß ist. Ich erstarre dann, so dass es mir nicht mehr möglich ist, in irgendeiner Form zu reagieren – auch nicht mit Worten. Mein Schweigen wird aber oft als Übereinstimmung gesehen (man würde ja widersprechen, wenn einem etwas missfällt). Außerdem beginne ich, mit meinen Händen herumzufuchteln oder mich an den Armen zu kratzen.
Zitat: ” Ich denke, es könnte so einfach sein, wenn nur diejenigen, die flexibler sein können, mehr Flexibilität beweisen würden.”
In der Regel ist genau das Gegenteil der Fall.
Man verlangt von mir mehr Flexibilität (ich als Autistin muss das schließlich lernen), damit man selber an seinen Regeln festhalten kann und sich nicht anpassen muss.
Zu dem Thema habe ich eine Frage: Wann fühlt es sich aufgezwungen an? Kannst Du auch von jemand anderem durch Worte überzeugt werden, Deine Meinung zu ändern, oder fühlt sich das dann auch in einer gewissen Weise aufgezwungen an? Ist das für Dich dann Manipulation?