Wortpause

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Da es schon einzelne Nachfragen gegeben hat, möchte ich Sie/euch kurz über die aktuelle Situation informieren:
Dass ich hier gerade keine neuen Beiträge einstelle, hat einen Grund.
Ich bin gerade dabei, mein Buch-Manuskript druckfertig zu stellen. Das Buch wird voraussichtlich Anfang Juni erscheinen, daher bleibt nicht mehr viel Zeit. Vor allen Dingen nicht viel Zeit für neue Blog-Beiträge. Aber das wird sich wieder ändern, sobald das Buch erschienen ist. Der Titel dieses Buches, welches aus einer Sammlung meiner Blogbeiträge besteht, ist: “Freude ist wie ein großer Hüpfball in meinem Bauch – Aus dem Alltag einer Autistin”. Genaueres werde ich hier einstellen, sobald die Vorbereitungen endgültig abgeschlossen sind.

Gedanken zum Welt-Autismus-Tag

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Heute – am 02. April – ist der von der UNO im Jahr 2008 eingeführte Welt-Autismus-Tag.  Kein Anlass zum Feiern. Was sollte ich auch feiern? Dass ich Autistin bin?
Nein. Sicher nicht.
Nein, nicht feiern, aber aufmerksam machen auf die vielen Schwierigkeiten, mit denen autistische Menschen und deren Angehörige nach wie vor täglich zu kämpfen haben.
Und davon gibt es viele. Zu viele, wie ich finde und es hat sich leider in den letzten Jahren nicht viel geändert.
Es wird auf zahlreichen Tagungen zwar immer wieder über Autismus informiert, über die Probleme autistischer Menschen gesprochen (wobei die Kinder im Vordergrund stehen und die Problematik erwachsener AutistInnen kaum erwähnt wird, so, als höre Autismus im Erwachsenenalter auf) und über Möglichkeiten einer adäquaten Unterstützung durch Therapien und anderen Formen der Eingliederungshilfe, aber es wird in der Regel über uns gesprochen – nicht mit uns.
Entscheidungen werden nicht gemeinsam getroffen, sondern ohne unser Mitwirken.

Viele Menschen glauben besser zu wissen, was für uns gut ist als wir selber und
dementsprechend verhalten sie sich dann auch uns gegenüber.
Oft bevormundend und über den Kopf des autistischen Menschen hinweg bestimmend.
Manchmal sogar die Menschenwürde verletzend.
Autismus wird bei vielen Menschen automatisch gleichgesetzt mit geistiger Behinderung.
Im deutschen Versicherungsrecht zählt Autismus bis heute zu den geistigen Behinderungen.
Es gibt trotz oder gerade wegen der zahlreichen Informationen in den Medien nach wie vor viele Mythen über Autismus, die sich in den Köpfen der Menschen hartnäckig halten und weiter verbreiten.

Oftmals werde ich mit der Aussage konfrontiert, ich könne keine Autistin sein, weil ich nicht mit dem Oberkörper nach vorne und hinten schaukelnd in einem Zimmer sitze und teilnahmslos gegen die Wand starre. Die wenigsten AutistInnen, die ich kenne, verhalten sich so.  Auch nicht so wie Rainman. Ich möchte auch nicht mit einem Rainman vergleichen werden.
Rainman war ein Savant. AutistInnen sind keine Savants, die meisten Savants hingegen sind autistisch. Das ist ein großer Unterschied.

Information und Aufklärung über Autismus stehen nach wie vor an erster Stelle, wenn es um Inklusion geht. Gerade am Welt-Autismus-Tag.
Deshalb beteilige ich mich seit drei Jahren mit Vorträgen zum Thema Autismus aktiv an einer Informationsveranstaltung zum Welt-Autismus-Tag.

Heute möchte ich hier im Blog die Gelegenheit nutzen, auf einige Missstände aufmerksam zu machen. Der Übersicht halber habe ich sie in kurzen Sätzen als Stichpunkte zusammengefasst.

Hier sind die wichtigsten:

  • Lange, oft unzumutbare Wartezeiten bei der Diagnosestellung sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen
  • Häufige Fehldiagnosen und daraus resultierend ein Diagnosemarathon, der sich nicht selten über mehrere Jahre hinweg zieht
  • Lange Wartezeiten (oftmals mehr als 2 Jahre) bis zur Bewilligung und zum anschließenden Therapiebeginn in den Autismus-Therapie-Zentren
  • Zu wenige FachärztInnen und PsychologInnen, die sich mit Autismus-Spektrum-Störungen auskennen
  • In vielen Fällen massive Probleme bei der Beschulung autistischer Kinder, die oft mit mehrmaligen Schulwechseln oder einer nicht adäquaten Förderung einhergehen
  • Mangelnde Kenntnis der Lehrerinnen und Lehrer zum Thema Autismus
  • Autistische Kinder werden oft an eine Förderschule verwiesen, da die Regelschulen mit der deren Beschulung überfordert sind
  • Autistische Kinder werden wegen ihres Verhaltens immer wieder vom Unterricht ausgeschlossen oder gelten im schlimmsten Fall sogar als unbeschulbar
  • Schwierigkeiten bei der Bewilligung von Therapien, Schulbegleitern oder anderen Formen der Eingliederungshilfe, da es keine einheitliche Regelung hierfür gibt und Entscheidungen oft willkürlich und von den entsprechenden SachbearbeiterInnen abhängig sind
  • Autistisches Verhalten wird häufig nur als Folge einer schlechten Erziehung gesehen und nicht als typisches Kriterium für eine Autismus-Spektrum-Störung
  • Oftmals wird Autismus mit geistiger Behinderung gleichgesetzt – vor allen Dingen dann, wenn AutistInnen nicht sprechen können
  • Die meisten AutistInnen in Deutschland sind arbeitslos oder finden eine Beschäftigung lediglich auf dem zweiten Arbeitsmarkt (Werkstatt für behinderte Menschen)
  • Eltern müssen häufig kämpfen und in Widerspruch gehen, wenn es um die Bewilligung einer Pflegestufe für ihre autistischen Kinder geht
  • Schwierigkeiten bei der Bewilligung eines Schwerbehindertenausweises (auch hier gibt es keine einheitliche Regelung und Entscheidungen erfolgen willkürlich, so dass Widerspruch eingelegt werden muss)
  • Zu wenige Anlaufstellen für die Diagnostik und Therapie autistischer Erwachsener
  • Zu wenige Fachärzte, die sich mit Autismus bei Erwachsenen auskennen

Wenn ich mir diese Punkte anschaue, gibt es keinen Anlass zum Feiern.
Nicht einmal einen Grund, zufrieden zu sein mit der Situation autistischer Menschen heute, auch, wenn sich in den letzten Jahren einiges verändert, manches vielleicht auch verbessert hat. Eine adäquate Beschulung autistischer Kinder bleibt bis heute problematisch, weil diese weiterhin ausgegrenzt, vom Unterricht ausgeschlossen und auf Förderschulen abgeschoben werden. Es wird Zeit, dass sich etwas ändert – langfristig ändert.
Nicht nur, weil das Wort Inklusion in diesem Jahr im Vordergrund steht und täglich in den Medien darüber berichtet wird.

Danke sagen möchte ich an dieser Stelle meiner Betreuerin, meiner Therapeutin und dem Therapeuten meines Sohnes, die mir mit einer großen Wertschätzung begegnen.
Das bedeutet mir sehr viel.

Freude ist wie ein großer Hüpfball in meinem Bauch

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Ich kann nicht ruhig sitzenbleiben, wenn so viel Freude in mir ist.
Freude, die in meinem Innen-Sein hüpft wie ein Gummiball.
Am liebsten möchte ich aufspringen und in die Hände klatschen.
Oder mich im Kreis drehen, so, wie ich das früher gemacht habe als kleines Mädchen.
Ich weiß nicht, wie ich Freude ausdrücken kann ohne herum zu hüpfen.
Wenn ich mich freue, bin ich aufgeregt. Und wenn ich aufgeregt bin, muss ich mich bewegen, kann meine Hände und Füße nicht still halten.
„Ich freue mich.“, hat sie zu mir gesagt und ich freue mich so sehr, dass ich es kaum aushalten kann und von einem in das andere Zimmer laufe, während ich mit ihr telefoniere.

Die Freude ist ein schönes Gefühl, auch wenn sie mich wie in diesem Moment unvorhersehbar überrennt und ich meine Gedanken erst einmal sortieren muss, um zu begreifen, was gerade geschehen ist. Die Freude ist schneller. Und nicht kontrollierbar.
Sie hüpft immer schneller in mir und drängt durch den Körper hindurch in meine Hände und Füße hinaus aus dem Innen-Sein. Sie will raus.

Ich bin froh, dass ich zuhause bin und dieses schöne Gefühl nicht verbergen muss vor Außen-Menschen, die nicht verstehen, wenn eine erwachsene Frau plötzlich an zu hüpfen fängt und mit den Händen in der Luft herum fuchtelt. Hier in meiner Wohnung kann ich das und muss die Freude nicht unterdrücken. Sie darf hinaus und es tut mir gut zu spüren, dass ich mich freue. Sie in mir zu behalten wäre mit einer großen Anstrengung verbunden und würde die innere Unruhe bis in Unerträgliche steigern.

Wenn ich mit Außen-Menschen zusammen bin, geht es nicht anders.
Dann spüre ich diesen enormen Druck, die zunehmende Unruhe im Innen-Sein und die Angst, die Kontrolle über meinen Körper und meine „unangemessenen“ Reaktionen zu verlieren.
Es ist eine Anspannung, die schmerzt und immer größer wird. So groß wird, dass ich sie am Ende nicht mehr aushalten kann.
Aber jetzt brauche ich die Kontrolle nicht und das Verbergen, freue mich „wie ein Kind“ in dem ich von einem Zimmer in das andere durch die ganze Wohnung hüpfe und mit den Händen vor meinem Gesicht herum wedele.

Mit der Freude kommt auch die Ungeduld. Das Nicht-Abwarten-Können und das Zählen der Tage und Stunden anhand meines Wochenplaners, der im Flur hängt.
Immer und immer wieder muss ich darauf schauen, um mich zu vergewissern, dass die grünen Zettel mit ihrem Namen noch da sind, die mir bestätigen, dass die Zeit der Kein-Tage vorbei ist. Endlich vorbei ist.

Freude ist wie ein großer Hüpfball in meinem Bauch.
Jedes Mal, wenn ich an der Wochenplaner-Tafel im Flur vorbeigehe und die grünen Zettel sehe mit dem gelben Magnet-Smiley darunter.

Der Anders-Termin

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Fremd fühlt es sich an dieses erste Treffen mit ihr.
Ich bin verunsichert.
Und wie immer, wenn ich verunsichert bin, rede ich viel.
Vielleicht zu viel.
Ich weiß es nicht. Ich habe kein Gespür dafür, wie viel ich reden darf.
Aber so lange ich rede, gibt es etwas, woran ich mich festhalten kann.
Meine Stimme.
Sie ist mir vertraut.
Das einzig Vertraute in diesem Moment, der mir so fremd ist.
Der anders ist als sonst.

Ich habe mein Sein für diesen Termin auf Funktionieren programmiert.
Sie ist fremd. Fremden Menschen gegenüber muss ich funktionieren.
Auch, wenn es mir schwerfällt, weil das Funktionieren Kraft kostet und ich Angst davor habe, dass mich das Treffen überfordert und ich plötzlich schweige und erstarre.
Dass dann niemand da ist, der mir vertraut ist und weiß, was dieses Erstarren bedeutet und was ich in einer solchen Situation brauche. In einer Situation, in der ich hilflos bin, weil mir im Erstarren die Sprache fehlt, um mich zu artikulieren und vor falschen Reaktionen von Außen-Menschen zu schützen.
Sie ist ein Außen-Mensch.
Und als Außen-Mensch darf sie nicht in mein Innen-Sein dringen.
Aus diesem Grund achte ich auch die ganze Zeit darauf, dass sie die Kratzer auf meiner rechten Hand und dem Unterarm nicht bemerkt.
Ich habe am Morgen extra ein Shirt mit besonders langen Ärmeln angezogen, damit ich die verletzten Stellen verstecken kann. Sie sind Teil meines Innen-Seins über den ich mit ihr nicht sprechen kann, weil sie ein Außen-Mensch ist.

Sie sitzt mir gegenüber.
Ihre plötzliche, körperliche Nähe verunsichert mich.
Ich kann ihren Atem riechen und wie einen Luftzug auf meiner Haut spüren, wenn sie spricht.
Das erschwert es mir, sie reden zu lassen und mich auf ihre Worte zu konzentrieren.
Außerdem ist es sehr anstrengend, auf diese Distanz ihrem Blick auszuweichen.
Ich muss mir einen Punkt auf dem Tisch suchen, denn sobald ich meinen Kopf hebe, schaue ich direkt in ihr Gesicht. Da ist zu viel Nähe. Nähe, die fast unerträglich ist.
Nähe, die ich nur bei einem Innen-Menschen zulassen kann.
Ich weiß nicht, ob sie jemals ein Innen-Mensch wird.
Es gibt nur wenige Innen-Menschen in meinem Leben.
Menschen, bei denen ich so sein kann, wie ich bin und nicht funktionieren muss.

Heute muss ich funktionieren.
Und es gelingt mir ganz gut, weil zumindest der Ort ein vertrauter ist und ich jedes Detail kenne, so dass ich die Situation zu jedem Zeitpunkt kontrollieren kann.
Genauso, wie ich meine Hände kontrollieren kann und nicht zu kratzen beginne.
Nur sie ist es, die mir fremd ist. Sie, die diesen Termin zu einem Anders-Termin macht, der mir nicht die Sicherheit gibt, die jene Termine sonst haben.
Ich sehne mich nach dem „Sonst“ und dem angenehmen Gefühl des Vertrauten.
Erst das Vertraute wird die Unordnung in meinem Kopf beseitigen und wieder Struktur schaffen können in meine Gedanken und in meinen Wochenplan, der durch Kein-Termine oder Anders-Termine wie diesen durcheinander geraten ist.
Ich möchte gehen. Muss den Termin beenden, weil ich spüre, dass ich überfordert bin.
Dass ich nicht mehr lange funktionieren kann.
Dass ich Ruhe brauche und die Möglichkeit, mich zurück zu ziehen.
Ganz in mich zurück zu ziehen. Alleine zu sein.
Wieder ich zu sein.

Durcheinander

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Als das Telefon am Freitagmorgen klingelt, weiß ich, dass sie es ist, weil wir es so verabredet haben und mich auf sie immer verlassen kann.
Aber ihre Worte schaffen erneut Unordnung in meinem Innen-Sein.
Sie wird auch in der nächsten Woche nicht zu mir kommen können.
„Nein“, möchte ich schreien, „das geht nicht!“
Ich habe die Termine doch bereits in meinen Kalender eingetragen, kann sie nicht schon wieder streichen. Will das auch nicht. Weil es erneut Veränderung bedeutet und es im Moment zu viele Veränderungen gibt und gewohnte, sichere Strukturen verloren gehen.

Ich brauche einen strukturierten Tagesablauf und Termine, die immer am gleichen Wochentag und zur gleichen Uhrzeit stattfinden. Ich mag es nicht, wenn Termine verschoben werden oder ausfallen. Das überfordert mich. Ein Dienstag ist kein Dienstag, wenn sie nicht zu mir kommt.
Der Dienstag ist ihr Tag. Schon der letzte Dienstag war ein Kein-Dienstag, genauso, wie der Freitag ein Kein-Freitag war.

Nein, der Freitag war nur ein Fast-Kein-Freitag, weil zumindest die Therapie zur gewohnten Uhrzeit stattfand. Allerdings zum letzten Mal im gewohnten Rhythmus.
Ab jetzt wird es nur noch einen Termin im Monat geben. Das verunsichert mich, obwohl ich lange Zeit hatte, mich darauf vorzubereiten. Es ist eine Veränderung und ich mag Veränderungen nicht, kann mich nur sehr schwer darauf einstellen, weil sie meinen Tagesablauf durcheinander bringen und die Eintragungen in meinem Terminkalender. Unordentlich sieht die folgende Woche aus, genau wie die letzte, nachdem ich die Termine erst zu einem großen Teil überschrieben und jetzt auch noch durchgestrichen habe. Alles ist durcheinander. Und genauso fühle ich mich.

Ich mag diese Woche nicht, möchte, dass sie vorbei ist, obwohl sie gerade erst begonnen hat.
Strukturlos begonnen hat mit einer zusätzlichen Veränderung, die auf Grund eines Fehlers nicht vorhersehbar war und mich daher völlig unerwartet überrennt.
Das Treppenhaus wird renoviert.
Auf dem Schreiben der Vermieterin vom letzten Donnerstag steht, dass die Handwerker am 15. März mit der Arbeit beginnen werden.
Aber der unerträgliche Lärm des Pressluftbohrers weckt mich bereits am Montagmorgen um 8.30 Uhr – zehn Tage vor dem schriftlich angekündigten Termin. Viel zu kurzfristig, um mich darauf vorzubereiten und dem Lärm ausweichen zu können.
„Aufhören! Hören Sie sofort mit diesem entsetzlichen Lärm auf!“
Auf dem Schreiben steht eindeutig eine 15, keine 5.
Ich muss mich auf das geschriebene Wort verlassen können.
Aber die Handwerker sind da. Sie werden nicht wieder gehen, nur weil sie laut Schreiben erst in zehn Tagen mit der Renovierung beginnen sollen.

Der Lärm ist unerträglich.
Ich werde meine Wohnung so schnell wie möglich verlassen müssen, weil ich dieses Geräusch nicht aushalte und es in meinem Kopf schon nach wenigen Minuten so dröhnt, dass ich mit ihm gegen die Wand rennen möchte, um diesen Schmerz endlich abzustellen.
Doch mein Körper ist noch zu träge auf Grund der Nachwirkung der Tropfen, die ich am Abend genommen habe gegen die innere Unruhe. Die Bewegungen können dem Drang der Gedanken nicht folgen. Ich brauche Zeit. Kann nicht so schnell reagieren, wie es der Kopf verlangt.

Wohin soll ich gehen, wenn der wichtigste Rückzugsort das Vertraute für den Moment verloren hat und keine Sicherheit mehr gibt, weil das Drumherum lärmend und schmutzig ist und damit anders als sonst? Anders und fremd. Und beängstigend.
Alles ist plötzlich anders – fremd und nicht mehr so, wie es mir vertraut war und ist. Das Zuhause, der Tagesablauf, die gewohnten Termine.
Wie soll ich die nächsten Wochen planen, wenn alles durcheinander geraten ist und nicht mehr vorhersehbar? Wenn die Ordnung fehlt und die Struktur, die mir Halt gibt.
Wenn Tage zu Kein-Tagen werden, weil ihr Ablauf gestört ist durch terminliche Veränderungen, die das gewohnte und vertraute Muster zerstören und eine Unordnung schaffen, die ich alleine nicht beseitigen kann.

Wütend

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Ich bin wütend.
Wütend, dass mir das autistische Sein wieder einmal im Weg steht.
Dass es mich wieder einmal daran hindert, die einfachsten Dinge zu erledigen.
Dass ich auf Hilfe angewiesen bin.
Dass ich einen IQ von 142 habe und dennoch zu blöd bin, ein Formular auszufüllen und ein wichtiges Telefonat zu führen.
Ich fühle mich so hilflos. Und dies Hilflosigkeit macht mich wütend.

Am liebsten würde ich mit dem Kopf gegen die Wand rennen.
Weil diese Wut mich überrollt.
Ich muss mich bewegen. Kann nicht ruhig sitzen.
Esse. Seit Stunden. Stopfe alles mögliche in mich hinein. Unkontrolliert.
Weil das Essen beruhigt. Zumindest für den Moment.
Wenn ich nicht esse, kratze ich die gerade verheilten Wunden meiner rechten Hand wieder auf.

Alles ist durcheinandergeraten in mir. In meinem Innen-Sein.
Weil diese Wut mich überrollt und andere Gefühle, die ich nicht einmal beschreiben kann.
Und in meinem Kopf. Ein Gedankenchaos.
Ich kann nicht. Ich will nicht.
Will keine Veränderungen, keine spontanen Änderungen im Tagesablauf.
Ich schaffe das nicht. Ich bin überfordert damit.
Vor allen Dingen bin ich überfordert mit diesem Gefühlsknäuel in mir und der Wut über meine Hilflosigkeit. Der Wut darüber, dass Kleinigkeiten sofort ein solches Chaos in mir auslösen und ich das nicht verhindern kann.

„Rege dich nicht immer gleich so auf. Es ist doch alles halb so schlimm.“
Doch, es ist schlimm. Für andere vielleicht nicht, aber für mich.
Überall in meinem Körper spüre ich, dass es schlimm ist.
Dass ich damit überfordert bin.
Dass sich alles in mir sträubt und das Fühlen laut schreit in meinem Innen-Sein.
Dass ich es nicht kontrollieren kann, dieses Gefühlsknäuel.

Wut ist in mir – Wut, die hinaus drängt, aber keinen Weg findet.
Schreien möchte ich und bleibe doch stumm.
In Wut erstarrt.
Wortlos, obwohl mein Kopf bis zum Zerbersten überfüllt ist mit Gedanken, die laut werden wollen, laut werden müssen.
Ich will nicht schweigen – immer nur schweigen und diese Wut ertragen, die in mir ist.

Aber die meisten Außen-Menschen verstehen meine Wut nicht.
Ich sei schließlich eine erwachsene, intelligente Frau.
Habe ich deshalb kein Recht darauf, wütend zu sein?
Kein Recht, meine Wut zu artikulieren, weil die Außen-Menschen sie nicht verstehen?
Weil sie mich nicht verstehen. Mein autistisches Sein nicht verstehen.

Selbst das Medikament am Abend hilft nicht.
Die Unruhe in mir bleibt.
Und dieses Gefühl der Hilflosigkeit, kurzfristige Veränderungen nicht aushalten zu können und mit der Situation überfordert zu sein.
Mit einer Situation, die für andere nur eine Kleinigkeit ist und für mich im Augenblick nicht zu bewältigen scheint.
Ich schäme mich dafür, kann aber dennoch nichts daran ändern.
Weder an der Hilflosigkeit, noch an dem Wütend-Sein in mir und dem Gefühlsknäuel, welches mich immer noch überrollt, welches sich nicht löst, solange ich das Fühlen nicht benennen kann.

Unsichere Worte

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Immer wieder fehlt Worten Verlässlichkeit.
Ich frage mich, wie die Menschen mit so vielen ungenauen Worten im Alltag zurechtkommen können. Ich kann es nicht.
Unsichere Worte geben keinen Halt. Sie führen ständig zu einem Missverstehen und zu Problemen in der Kommunikation. Das erlebe ich jeden Tag und empfinde es oft als sehr belastend. Weil es Kraft kostet und in der Konsequenz immer wieder dazu führt, dass ich schweige und mich zurückziehe, weil mich die fehlende Verlässlichkeit der Worte verunsichert und mir ein Kommunizieren unmöglich macht.

Oder ich frage nach. Immer und immer wieder, bis ich eine verlässliche Antwort erhalte. Aber das mögen viele Menschen nicht, das ständige Wiederholen von Fragen.  Meinen drängender Wunsch nach sicheren Worten. Obwohl ich das nicht mache, um andere zu ärgern, sondern weil ich verstehen will – sie verstehen will.
Weil sichere Worte für mich die Basis sind für Kommunikation und das Funktionieren sozialer Kontakte. Vertrauen zu einem anderen Menschen kann nur entstehen, wenn seine Worte klar sind und Sicherheit geben. Wenn ich mich darauf verlassen kann.

Ich kann nicht „zwischen den Zeilen“ lesen und Aussagen in Worte hinein interpretieren.
Ich verstehe wörtlich. Und genauso kommuniziere ich auch.
Laut Diagnosekriterien für Autismus wird das als qualitative Beeinträchtigung in der Kommunikation bezeichnet.
Ich selber fühle mich aber gar nicht beeinträchtigt in meinen kommunikativen Fähigkeiten. Im Gegenteil. Meine Sprache ist präzise und unmissverständlich.
Ich benutze keine unsicheren Worte. Niemand muss in meine Worte etwas hinein interpretieren, weil es nichts hinein zu interpretieren gibt.
Aber die meisten Menschen suchen nach Bedeutungen „zwischen den Zeilen“.
So, als existiere das wortwörtliche Wort nicht, als bedürfe dieses grundsätzlich einer zusätzlichen, subjektiven Interpretation. Und genau das verkompliziert Kommunikation und führt immer wieder zu einen Missverstehen untereinander. Genauso wie der ständige Gebrauch ungenauer Worte. Worten, denen Verlässlichkeit fehlt. Die auf Grund ihrer fehlenden Sicherheit immer einer zusätzlichen Interpretation bedürfen. Oder einem ständigen Wiederholen und Nachfragen, um eine präzise Aussage zu erhalten.

Sind es aus diesem Grund nicht vielmehr die nichtautistischen Menschen, die in ihrer Kommunikationsfähigkeit beeinträchtigt sind, weil sie mehr Zeit verbringen mit dem Versuch, Worte zu interpretieren und “zwischen den Zeilen” zu lesen als sich auf das zu konzentrieren, was wirklich gesagt wird? Weil ihre Sprache aus vielen unsicheren Worten besteht, die nicht verlässlich sind und keinen Halt geben.
Weil diese Form der Kommunikation ständig zu Missverständnissen führt und resultierend daraus zu Problemen innerhalb sozialer Beziehungen.

Es sind zwei konträre Sprachen, die der AutistInnen und die nichtautistischer Menschen. Zwei Sprachen, die sich gleicher Worte bedienen, diese aber unterschiedlich einsetzen und häufig anders verstehen. Missverstehen. Nicht verstehen.
Aus dem Missverstehen oder Nicht-verstehen resultiert die Unsicherheit im Umgang miteinander. Und auf Grund der Unsicherheit ziehe ich mich häufig zurück. Schweige.
Nicht aus Desinteresse oder Unhöflichkeit. Sondern aus Unsicherheit.

Zu viel

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Ich muss telefonieren, obwohl ich nicht gerne mit fremden Menschen spreche und mich nicht vorbereiten kann auf mögliche Fragen, die sie mir stellen können. Da ist zu viel Ungewissheit.
Schon nach wenigen Sätzen bin ich erschöpft und kann mich kaum noch auf die unbekannte Stimme am anderen Ende der Leitung konzentrieren.
Aber ich muss funktionieren – ich muss.
Alle erwarten das von mir, haben es schon in meiner Kindheit immer von mir erwartet:
„Du musst dir nur ein bisschen Mühe geben. Wenn du es willst, dann schaffst du es auch.“
Also funktioniere ich, so weit es mir möglich ist, obwohl es mich überfordert.
Ich schäme mich dafür, dass ich so schnell überfordert bin und mir schon das Telefonieren derart schwer fällt, dass ich eine Pause einlegen muss, um erst einmal neue Kraft zu schöpfen.
Doch die Erschöpfung ist da und macht mich handlungsunfähig.
Ich kann kein weiteres Gespräch mehr führen. Es geht nicht.
Ich bin müde. Möchte nicht mehr reden. Das Reden ist zu anstrengend.
Zu viel. Alles ist zu viel.

Weg, einfach weg möchte ich von diesem Zuhause, welches mir keinen Platz bietet, mich zurück zu ziehen und unerreichbar zu sein.
Ich muss eine Pause machen, auch wenn vieles Unerledigte vor mir liegt und mich unter Druck setzt. Einen unerträglichen Druck, der schon wieder sichtbare Spuren auf meinen Händen hinterlassen hat, die ich zu verbergen versuche, damit ich mich nicht rechtfertigen muss.
Ich habe Angst. Angst, dass ich wieder diese Grenze erreiche, wenn ich nicht damit aufhöre, permanent funktionieren zu wollen, obwohl die Kraft dazu fehlt.
Ich muss die Wohnung verlassen und für ein paar Stunden unerreichbar sein.

Der Schritt bis dahin fällt schwer, weil ich müde bin und erschöpft.
Weil es für mich eine große Anstrengung bedeutet, eine spontane Entscheidung zu treffen.
Aber als ich im Auto sitze, spüre ich Erleichterung, je weiter ich mich von meinem Zuhause entferne. Auf der Autobahn bin ich unerreichbar.
Und die Musik lenkt ab von den Worten, die in meinem Kopf herum schwirren.
Weiter möchte ich fahren, immer weiter.
Doch ich habe mit meinem Sohn ein Ziel vereinbart. Einen vertrauten Ort.
Er braucht das genauso wie ich – einen vertrauten Ort. Etwas, woran wir uns festhalten können. Einen Ort, der Sicherheit gibt.

Trotzdem verfahre ich mich heute, habe auf einmal das Vertraute verloren.
„Mama, kennst du den Weg etwa nicht mehr?“, fragt mein Sohn und ich bin erschrocken, dass mir das Vertraute heute so fremd erscheint, dass ich mich darin für einen Moment nicht mehr zurecht gefunden habe. Nicht wusste, wo ich war, obwohl ich die Strecke seit einigen Jahren regelmäßig fahre und sowohl jedes Verkehrsschild kenne als auch den genauen Verlauf der Straße. Für einen Augenblick bin ich verunsichert und möchte am liebsten nach Hause fahren.
Aber ich fahre weiter, weil das Fahren beruhigt und die Gewissheit, für alle unerreichbar zu sein, solange ich mit meinem Sohn im Auto sitze und das Handy ausgeschaltet ist.

Am Ziel angekommen, finde ich zum Glück sofort einen Parkplatz genau dort, wo ich immer parke. Solche Routinen sind wichtig für mich, gerade, wenn es mir nicht gut geht und die Kraft fehlt, mich auf Neues einlassen zu können. Denn ein anderer Parkplatz würde auch bedeuten, einen anderen Weg wie üblich gehen zu müssen und damit wäre ich heute überfordert. Doch Dank des üblichen Parkplatzes können wir den Weg genauso zurücklegen wie immer.
Es gibt keine Abweichungen, keine Veränderungen.
Die gleichen Getränke im Café, ohne etwas sagen zu müssen, weil die Kellnerin weiß, was wir jedes Mal bestellen, die gleiche Reihenfolge der Geschäfte, die wir betreten oder an denen wir lediglich vorbeigehen. Nur mit dem Unterschied, dass mich der Weg schneller ermüdet und die vielen Menschen und Geräusche um mich herum.
Meinem Sohn scheint der Lärm nichts auszumachen.
Er liebt Einkaufszentren – vor allen Dingen dieses.
Nur unter der Bedingung hierher zu fahren, konnte ich ihn dazu bewegen, die Wohnung zu Verlassen, weil er lieber zuhause geblieben wäre.
Mir ist es heute zu viel und ich bin froh, als wir wieder im Auto sitzen und nach Hause fahren. Jetzt wird niemand mehr anrufen und auch ich werde niemand mehr erreichen können.
Dieser Gedanke beruhigt.
Ich werde nicht mehr reden müssen, nicht mehr nach den richtigen Worten suchen und Fragen beantworten müssen, auf die ich nicht vorbereitet bin.

Aber ich werde die Gedanken sortieren müssen, damit ich eine Entscheidung treffen kann. Eine Entscheidung, die ich sehr schnell treffen muss.
Zu schnell. Viel zu schnell.
Ich spüre schon wieder den Druck, obwohl wir noch unterwegs sind und ich unerreichbar bin.
Ich brauche Ruhe und mir fehlt die Kraft, eine Entscheidung zu treffen.
Es ist zu viel. Alles ist zu viel.
Zu viel.

Doch sie erwarten, dass ich funktioniere.
Immer weiter funktioniere.
Auch, wenn alles zu viel ist.
Zu viel.

Aus-Zeit

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Es fällt mir schwer zu entspannen, wenn alles fremd ist.
Wenn ich weit weg bin von allem, was mir vertraut ist.
Aber das Fremde erfordert auch, dass ich mich auf jeden Schritt konzentrieren muss und kaum Zeit bleibt für die Gedanken und Ängste der letzten Tage.
Hier bin ich unerreichbar und das gibt Sicherheit.
Sicherheit, die ich im Moment dringender benötige als sonst.
Jedoch eine andere Sicherheit als jene, die mir Vertrautes gibt.
Das Vertraute fehlt mir.
Obwohl ich so viel wie möglich von zuhause mitgenommen habe, um ein Vertraut-Sein zu schaffen, bleibt vieles fremd und bewirkt, dass ich sehr schnell erschöpft bin und müde.  So müde, dass ich schon am frühen Abend im Bett liege und dank des Medikaments früh und lange schlafe.

Am Morgen fällt das Aufstehen schwer.
Die Aus-Zeit droht für einen Moment zu scheitern, weil es keinen gebratenen Speck zum Frühstück gibt und mein Sohn schimpft und schreit.
Ich kann seinen Wutausbruch nicht ertragen und die Lautstärke seiner Worte.
Warum gibt es ausgerechnet in diesem Hotel keinen Speck zum Frühstück?
Es hat bisher in jedem Hotel gebratenen Speck am Büffet gegeben.
Warum nicht hier?
Ich werde beim nächsten Mal vorher fragen müssen.
Denn auch mein Sohn braucht Vertrautes und mag Abweichungen von der Routine nicht.
Er will Speck, nichts anderes.
Und er will nach Hause – am liebsten sofort.
Weil es dort Speck gibt.

Ich bleibe, obwohl mir die Kraft für weitere Auseinandersetzungen fehlt.
Die Sehnsucht nach Stille wächst.
Einer Stille in mir, die mich von allem Außen trennt.
Einer Stille, die nicht nur in mir ist, sondern mich zusätzlich umhüllt und vor allem schützt, was mich zur Zeit so sehr unter Druck setzt.
Stille ist, wenn das Außen schweigt.
Aber das Schweigen ist nur Stillstand, weil ich hier unerreichbar bin.
Und ich weiß nicht, ob ich aus der Unerreichbarkeit genug neue Kraft werde schöpfen können.
Zumindest schafft sie es, dass ich mich auf andere Dinge konzentrieren muss.
Auf fremde Dinge, die nicht automatisch ablaufen, sondern genau geplant werden müssen.
Das ist sehr anstrengend, lenkt mich aber ab.
Manchmal bin ich so erschöpft, dass ich eine Pause machen muss.
Mich setzen und Luft holen muss in einem der kleinen, gemütlichen Cafés, in denen es nicht vor fremden Menschen wimmelt.

Den Tagen fehlt die Leichtigkeit.
Die Schwere macht müde und sorgt für lange, ruhige Nächte mit sehr viel Schlaf, den mir das Medikament möglich macht, gegen das ich mich so lange gewehrt habe, weil ich Medikamente nicht mag. Jetzt bin ich froh, dass es mir hilft, mich zu entspannen.

Die Schwere am Tag empfinde ich nicht als Belastung, sondern als wichtiges Zeichen dafür, auf meinen Körper zu achten und mich zu schonen.
Lange Zeit habe ich nicht gespürt, wenn ich meine Grenze erreicht habe.
Jetzt spüre ich diese ganz deutlich und achte darauf, sie nicht zu überschreiten.
Dazu fehlt mir auch die Kraft.
Ich muss meine Kraft genau einteilen, weil es keine Reserven mehr gibt.

Vier Tage sind kurz.
Zu kurz, um erholt zu sein.
Aber die Langsamkeit, die ich auf Grund meiner Erschöpfung zum ersten Mal in meinem Leben bewusst leben musste, hat mir etwas Wichtiges gezeigt.
Ich hoffe, dass ich einen Teil davon mitnehmen und beibehalten kann als Mittel, in künftigen Stresssituationen rechtzeitig „Stopp“ sagen zu können.
Stopp, ich kann nicht mehr. Ich brauche eine Pause.

Danach

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Die letzten Tage haben Spuren hinterlassen.
Nicht nur auf meiner Haut.
Ich weiß, dass ich eine Grenze erreicht habe, die ich nicht überschreiten darf.
Aber das fällt schwer, wenn so viel Wut in mir ist und Verzweiflung.
Wenn ich kämpfen will und spüre, dass es nicht mehr geht.
Dass die Kraft, zu kämpfen nicht reicht.
Dass sie nur noch reicht, um im Alltag zu funktionieren.

Ich habe verloren.
Und ich fühle mich schuldig.
Schuldig, dass meine Kraft nicht reicht, dass ich versagt habe.
Dass wir nun einen Weg gehen müssen, den ich nie gewollt habe.
Den ich nicht gehen will, nicht gehen kann.

Sie sagen, dass ich dringend Ruhe brauche.
Doch wie soll ich zur Ruhe kommen, wenn mich das Außen ständig erdrückt?
Wenn der Druck, den das Außen auf mich ausübt, einen Weg zu gehen, den ich nicht gehen will, täglich größer wird, wenn er längst unerträglich geworden ist und ich ihm nicht ausweichen kann.
Wie soll ich zur Ruhe kommen, wenn mich das Außen nicht in Ruhe lässt?
Wenn es eine Entscheidung von mir verlangt, die ich weder treffen will noch treffen kann, weil sich alles in mir sträubt und die Verzweiflung in
meinem Innen-Sein schreit.

Aber ich darf nicht schreien, muss aufpassen, was ich sage.
Muss auf mich aufpassen und darauf, dass ich nicht noch einmal in eine solche Grenzsituation gerate wie in der letzten Woche.
Muss funktionieren, auch wenn alles mehr Zeit braucht und ich sehr schnell erschöpft bin. Schneller vom Alltag erschöpft bin als sonst.

Gegen die schlaflosen Nächte gibt es Medikamente – Tropfen, die ich jetzt nehme, obwohl ich Medikamente nicht mag und mich lange dagegen gewehrt habe.
Doch gegen den immer größer werdenden Druck von Außen, einen Weg zu gehen, den ich nicht gehen will, gibt es keine Tropfen. Nur den Wunsch, an einem Ort zu sein, an dem mich das Außen nicht mehr erreicht.
Deshalb habe ich kurzfristig für ein paar Tage ein Hotelzimmer gebucht, in einer Stadt, die mir nicht fremd ist.
Obwohl mich Kurzfristiges und Spontanes überfordert, bietet es im Moment die einzige Möglichkeit, mich zurückzuziehen und ein wenig Kraft zu tanken.
Zuhause werde ich keine Ruhe finden. Zuhause ist zu nah am Außen.
Dennoch fällt es mir besonders schwer, mich von dem Ort trennen zu müssen, der mir bisher immer Sicherheit gegeben hat. Ich will nicht in einem fremden Bett schlafen und mit fremden Menschen in einem Raum frühstücken.

Ich will alleine sein.
Und ich brauche Vertrautes, an dem mich mich festhalten kann.
Ich werde es mitnehmen. Alles mitnehmen, was mir Sicherheit gibt.
Sicherheit, die ich jetzt noch dringender benötige als sonst, weil mir das Außen den Halt genommen hat und ich Angst habe, auch den Innen-Halt zu verlieren.
Das darf nicht passieren, dass ich den Innen-Halt verliere, dass ich die Grenze noch einmal erreiche oder sogar überschreite, weil die Kraft nicht mehr reicht.

Ich habe Angst.
Aber diese Angst schützt mich auch.
Ich muss auf mich aufpassen. Muss mich zur Ruhe zwingen, damit die Kraft wieder reicht, weiter zu machen und mich wehren zu können gegen einen Weg, den ich nicht gehen will.

Es geht weiter

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Ich sitze in dem Raum, der mir so sehr vertraut ist und suche nach etwas, woran ich mich festhalten kann.
Ihre Worte dringen in mein Innen-Sein und machen mir Angst.
Raus – ich will raus. Ich muss raus. Muss diesen Raum verlassen, bevor es zu spät ist.
Aber die Kraft fehlt und die Angst wird immer größer, dass sie mich nicht gehen lassen.
Dass ich bleiben muss und sie mich an einen anderen Ort bringen, einen bedrohlichen Ort, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt.

Ich schweige, ziehe mich immer mehr in mein Schweigen zurück, weil ich mich nur dort noch sicher fühle – ganz tief in mir, in meinem Innen-Sein.
Ihre Worte sind Außenworte.
Ich spüre ihre Nähe nicht. Spüre nur diese große Angst, die jedes ihrer Worte noch verstärkt.
Eine Angst, die mich lähmt.

Bitte, lasst mich gehen!
Sie hören diese Worte nicht, weil sie mein Innen-Sein nicht verlassen.
Weil sie nur dort laut um Hilfe schreien.
Ich muss mich beherrschen, darf die Kontrolle nicht verlieren, nicht zusammenbrechen. Nur nicht zusammenbrechen. Dann werde ich nicht mehr entscheiden können.
Mich ergeben oder Flucht.
Ich ahne, dass mir eine Flucht nicht gelingen wird. Dass sie mich festhalten werden.
Dass ich gefangen bin in diesem Raum, der mir bisher immer Sicherheit gegeben hat.

Immer wieder sagt sie dieses eine Wort, sagen beide dieses bedrohliche Wort.
Wiederholen es immer und immer wieder.
Sie deutet mit dem Finger auf die Stelle, wo das Wort bedrohlich auf dem Flipchart steht. Ich will es nicht sehen, will es nicht hören, will einfach nur weg, weil ich Angst habe. Große Angst.

Bitte, lasst mich gehen!
Wenn ich noch lange dort sitze, werde ich die Kontrolle verlieren und meine letzten Energiereserven, die ich brauche, um weiter funktionieren zu können.
Ich will zu meinem Sohn, will seine Liebe spüren, die mir bisher immer wieder Kraft gegeben hat. Ich brauche Halt. Dringend Halt. Und Schutz vor diesem einen Wort, welches zu einer immer größeren Bedrohung wird.
Wenn jetzt noch etwas geschieht, Sie eine weitere schlechte Nachricht erhalten, werden Sie dann noch genug Kraft haben und nicht zusammenbrechen?
Ich weiß es nicht.

Sie stellt Bedingungen.
Bedingungen, die ich erfüllen muss, damit ich gehen kann.
Und ich will gehen. Sofort. Einfach nur weg, bevor es zu spät ist.
Bevor sie eine Entscheidung trifft, die nicht mehr rückgängig zu machen ist.
Bevor beide entscheiden und ich keine Wahl mehr habe.
Ich habe nur noch das eine Ziel – diesen Raum verlassen und nach Hause gehen zu können.
Auch, wenn ich hierfür eine Abmachung treffen muss.
Eine Abmachung, an die ich mich selbstverständlich halten werde.
Weil mir mein Leben wichtig ist.

Als ich nach zwei Stunden vor der Tür endlich den eiskalten Wind in meinem Gesicht spüre, bin ich erleichtert. Ich habe es geschafft. Ich darf nach Hause gehen. Muss nicht bleiben oder mich einer Entscheidung beugen, die ich nicht selber getroffen habe, die über meinen Kopf hinweg und gegen meinen Willen getroffen wurde.

Es geht weiter.
Ich muss es schaffen. Und ich werde es schaffen.
Weil ich diesen Schritt geschafft habe.
Und weil es Menschen gibt, die mich in schwierigen Situationen ernst nehmen und nicht bloß sagen: „Stell dich nicht so an. Das wird schon wieder.“
Ich bin froh, dass es sie gibt. Dass sie für mich da sind.
Dass sie eben für mich da waren, obwohl ich ihre Nähe nicht spürte und mir ihre Worte und ihr Handeln Angst machten. Angst, die ich in der Form noch nie in meinem Leben als so bedrohlich wahrgenommen habe.
Aber das spüre ich erst jetzt, wo ich wieder zuhause bin und das Vertraute Sicherheit gibt. Wo mein Sohn für einen kurzen Moment eingerollt neben mir auf dem Sofa liegt und mir sein Dasein ein wenig Kraft zurückgibt.

Es geht weiter. Es wird immer weiter gehen.

So geht es nicht weiter

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Heute war ein Tag, der mir deutlich gemacht hat, dass es Grenzen gibt, die ich nicht noch einmal überschreiten möchte.
Meine Hände sind zerkratzt und die wunde Haut brennt.
Es läuft etwas falsch, wenn der Druck im Innen-Sein so unerträglich ist, dass ich unentwegt kratzen muss und meine Hände nicht kontrollieren kann.
Dass ich schweige, obwohl ich laut schreien möchte und erstarrt sitzen bleibe, obwohl ich am liebsten weglaufen will.

Warum lasse ich es zu, dass das Außen mich überrennt und in mein Innen-Sein eindringt?
Warum sitze ich dort und ertrage es, dass wieder etwas über meinen Kopf hinweg und gegen meinen Willen entschieden wird?

Alleine diesen Termin wahrzunehmen hat mich so viel Kraft gekostet, dass nichts mehr davon übrigbleibt, um „Ich will nicht“ zu sagen.
Ich muss mich darauf konzentrieren zu funktionieren und dem Gespräch trotz der Lautstärke in dem Café zu folgen, damit ich jedes Wort abspeichern und das Gesagte anschließend zuhause in Ruhe analysieren und darauf reagieren kann. Spontan zu reagieren ist mir unmöglich.
Deshalb schweige ich. Weil ich die passenden Worte nicht finde und das Zuviel an Gefühlen erst sortieren muss, welches ihre Worte und ihr Handeln auslösen und mit dem ich in der Situation selber überfordert bin.
Außerdem muss ich mein Innen-Sein schützen vor einer Überflutung von Außeneinwirkungen, damit ich weiter funktionieren kann und nicht die Kontrolle darüber verliere.
Das Zurückziehen in das Erstarrt-Sein ist die einzige Möglichkeit, die mir bleibt.

Die halbe Stunde, die wir vereinbart haben, ist längst vorbei.
Ich muss gehen. Ich kann nicht mehr. Nicht einmal sagen, dass ich den Druck in meinem Innen-Sein nicht mehr lange aushalte.
Sie, die ich heute kennenlernen musste und mit der ich mich in Zukunft regelmäßig treffen soll, bleibt sitzen, so dass wir das Café verlassen müssen.

Ich will nach Hause. So schnell wie möglich an den Ort, der mir wieder Sicherheit gibt und mich vor Fremdem schützt.
Ich weiß nicht, wie ich es schaffen soll, das nächste Mal ohne sie dort hinzugehen.
Ohne einen Menschen, der mir vertraut ist und Halt gibt.
Ich bin so erschöpft, dass mir das Reden mit ihr zu schwerfällt, sie zu fragen, ob sie mich für einen Moment festhalten kann. Die meisten Worte bleiben in mir, obwohl sie mir viele Fragen stellt. Fragen, die ich nicht beantworten kann. Aber sie versteht, dass ich überfordert bin und drängt nicht.

Heute bin ich erleichtert, als sie geht und ich endlich alleine bin. Regungslos da sitze und nichts mehr um mich herum wahrnehme als die Kratzer auf meinen Händen, die sich ganz rau anfühlen.
Und dann kommt sie ganz plötzlich, die Reaktion auf das Gespräch im Café.

So kann es nicht weitergehen, so will ich das nicht.
Dass Hilfe zur Belastung wird und mir die Kraft nimmt, im Alltag zu funktionieren.
Dass Hilfe neuen Stress schafft, statt mich zu entlasten.
Dass ich mich an die vorgeschriebene Form der Hilfe anpassen muss und diese nicht meinen Bedürfnissen angepasst wird.
Dass ich nicht entscheiden kann, was mir gut tut und mich entlastet.
Dass mich das Gefühl bedrängt, fremd bestimmt zu werden.
Dass ich zu etwas gezwungen werde, was ich nicht will.

Wenn das langfristig der einzige Weg ist, Unterstützung zu bekommen, werde ich diesen Weg verlassen müssen. Weil es unter diesen Bedingungen kein gangbarer Weg mehr für mich ist.

Diese Gedanken machen mir Angst.
Sie nehmen zu viel Raum ein. Viel zu viel Raum.
Und verbrauchen alle Kraft, die ich für die anderen bevorstehende Entscheidungen dringend benötige. Entscheidungen, die ich nur treffen kann, wenn die Sicherheit zurückkehrt, die ich gerade verloren habe.

Ich brauche Abstand. Muss meine Gedanken sortieren und das Fühlen aufhalten, das mich überrennt. Muss wieder funktionieren. Funktionieren. Funktionieren.

So schnell wie möglich wieder funktionieren, weil ich am Nachmittag einen Termin habe, den ich unbedingt einhalten muss, weil ich dort reden kann. Dort ist Raum für alle Gedanken und das Fühlen, was ich jetzt unterdrücken muss, um funktionieren zu können. Um den Weg dahin überhaupt zu schaffen.

Erschöpft bin ich, als ich dort ankomme. Erschöpfter noch als am Vormittag nach dem Gespräch im Café. Zu erschöpft, um darüber zu sprechen, was in mir ist.

So bleibt alles in meinem Innen-Sein. Außer den Kratzern auf der rechten Hand, die ich nicht verbergen kann.

Innen-Mensch-Zeit

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A. Vertrautes

Sie holt mich für drei Stunden aus dem Erstarrt-Sein.
In ihrer Gegenwart kann ich ein kleines Stück vom Außen zulassen.
Zumindest für einen Moment.
Das Vertraute ist ein sicheres Gefühl und ermöglicht, dass sie mit mir über die
Angstworte spricht und sich mit ihrer Unterstützung Blockiertes im Handeln löst.
Sie schafft das, obwohl es mich sehr viel Kraft kostet.
Ich kann mich darauf einlassen, weil sie ein Innen-Mensch ist.
Ihr Dasein beruhigt mich und gibt mir Halt.
Und ich brauche Innen-Halt, wenn so viel Außen-Halt verloren gegangen ist.
Wenn das Außen nur noch unsicherer Ort ist und ich im Innen eingeschlossen bin und erstarrt.
Wenn sich jahrelang erhaltene Außen-Strukturen durch vom Außen herbeigeführte Veränderung auflösen und der Alltag seine Routinen verliert oder bereits verloren hat.

Während sie bei mir ist, brauche ich das Kratzen nicht.
Ihre vertraute Stimme entspannt mein Innen-Sein und lässt die Hände ein wenig zur Ruhe kommen. In ihrer Gegenwart muss ich nicht funktionieren, sondern kann Ich sein.  Endlich Ich sein und mein Fühlen versuchen in Worte zu fassen, welches mich seit Tagen überrennt. Sie hilft mir, das Durcheinander in meinem Innen-Sein zu sortieren und das Außen zu begreifen, das mir oft fremd ist und dessen Verhalten mir Angst macht, weil ich es nicht kontrollieren kann.
Weil es unvorhersehbar ist und sich nicht planen lässt, obwohl mir das Planen so wichtig ist.
Ich bin froh, dass es sie gibt. Dass sie mir jetzt gegenübersitzt und zuhört.
Dass sie mir Dinge abnimmt, mit denen ich überfordert bin. Die sonst liegenbleiben würden, obwohl sie wichtig sind. Dass sie die notwendigen Gespräche mit dem Außen führt und ich nicht reden muss mit Menschen, die mir fremd sind.

B. Das Fremde und die Angst

Ich bin zu erschöpft, um mich auf einen fremden Menschen einzulassen.
Das Fremde macht mir Angst. Zwingt mich zum Rückzug.
Sobald sie davon spricht, kehrt das Erstarrt-Sein in mir zurück.
Ich muss mich konzentrieren, um ihren Worten weiter folgen zu können.
Worten, die von Fremdem sprechen und doch den vertrauten Klang ihrer Stimme haben.
Ich will das Fremde nicht. Es darf nicht in mein Innen-Sein gelangen.
Es muss im Außen bleiben. Darf nicht noch mehr Raum einnehmen.
Allein das Sprechen darüber macht mir Angst. Große Angst.
Angst, die meine Hände zerkratzt hat und wieder zerkratzen wird.

Ich will nicht!
Ich will nicht!
Ich will nicht!

Ich muss lernen, diesen Satz laut auszusprechen.
Ihn immer und immer wieder formulieren, bis er ins Außen gelangt.
Ins Außen gelangt und gehört wird.

Ich will nicht!
Ich will nicht!
Ich will nicht!

Sie hört meine Worte und versteht.
Weil sie ein Innen-Mensch ist und ihr Vertraut-Sein Halt gibt.
Und ich brauche Innen-Halt, wenn so viel Außen-Halt verloren gegangen ist.
Wenn das Außen nur noch unsicherer Ort ist und ich im Innen eingeschlossen bin und erstarrt.
Wenn sich jahrelang erhaltene Außen-Strukturen durch vom Außen herbeigeführte Veränderung auflösen und der Alltag seine Routinen verliert oder bereits verloren hat.

Ich brauche Vertrautes und nicht Fremdes, das mir noch mehr Angst macht und mich zusätzlich belastet.
Laut muss ich werden, bis das Außen meine Worte endlich hört.
Mich aus dem Erstarrt-Sein lösen, damit meine Worte und mein Fühlen nach Außen dringen und ich nicht schweige.

Ich will nicht!
Ich will nicht!
Ich will nicht!

Sobald sie gegangen ist, werde ich diesen Satz üben.
Ihn immer und immer wieder laut vorsagen, bis er mir vertraut geworden ist und Sicherheit gibt. Sicherheit, dass ich das Fremde nicht zulassen muss, wenn ich es nicht will.
Dass mich niemand dazu zwingen kann. Dass es meine Entscheidung ist, was ich will.

Der Brief und der Zwang einer Einwilligung

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Was sind das für Worte?
Ich verstehe sie nicht. Verstehe nicht, was sie bedeuten.
Will sie auch nicht verstehen, weil es neue Angstworte sind.
Keine guten Nachrichten.
Das spüre ich.
Die Hände halten nicht still, während ich meine Brille im Wohnzimmer suche.
Am liebsten würde ich das Blatt zerreißen.
Und mich zurückziehen. Ganz zurückziehen.
An einen Ort, den niemand kennt außer mir.

Aber ich kann das Gelesene nicht zerreißen, weil es bereits in mein Innen-Sein gedrungen ist und in meinem Fühlen ein weiteres Durcheinander auslöst.
Ich bin viel zu erschöpft, um noch einen Stressfaktor ertragen zu können.
Erstarrt-Sein breitet sich in mir aus.
Ein Erstarrt-Sein, welches mich von dem Außen und einem Zuviel neuer Angstworte trennt.
Mein Innen-Sein nimmt das Außen nicht mehr wahr. Auch nicht die Schmerzen, die mir das Außen eben noch zugefügt hat. Aber ich kann auch nicht handeln, nicht auf die Worte reagieren, so lange der Kontakt nicht besteht zwischen Innen und Außen.

Alles bleibt liegen. Auch Wichtiges.
Ich schaffe es nicht.
Alles in mir ist erstarrt.
Das Denken ist zu blockiert, um jegliches Handeln steuern zu können.
Auch Bewegungen nicht.
Jeder Schritt kostet Kraft. Zu viel Kraft.
Ich spüre mich selber kaum noch. Ich habe keine Außenwahrnehmung mehr.
Existiere im Außen nicht mehr. Nur im Innen-Sein.
In einem Innen-Sein, das durcheinander geraten ist.
In einem Innen-Sein, das ich erst neu ordnen muss.
Ordnung ist wichtig, damit ich wieder etwas habe, woran ich mich festhalten kann.
Aber wie soll ich Ordnung schaffen in einem Fühlen, das überfordert ist von Worten, die mich überrannt haben, bevor ich ihren Sinn überhaupt erfassen konnte?

Ich werde nichts unterschreiben, bevor ich nicht weiß, welche Konsequenzen das für mich hat. Aber wenn ich meine Einwilligung verweigere, wird auch das Konsequenzen haben.
So zumindest steht es in dem Brief.
„Ich nehme zur Kenntnis, dass ich diese Einwilligung verweigern darf.“
Ich darf die Einwilligung verweigern, wenn ich mir selber schaden will.
Wenn ich die aus der Verweigerung resultierenden Konsequenzen, die im nächsten Satz genannt werden, in Kauf nehme.
Ich kann also nicht selber entscheiden, sondern werde gezwungen.
Ich habe keine Wahl. Wieder einmal nicht.
Die Entscheidung haben andere über meinen Kopf hinweg längst getroffen.
Wenn ich mich wehre, schade ich mir damit selber.
Wenn ich mich nicht wehre, werden ebenso Dinge geschehen, die ich nicht will, aber die ich trotz allem nicht werde verhindern können.

Schreien möchte ich, aber alles bleibt in mir.
Nichts dringt von meinem Fühlen nach außen.
Das Funktionieren ist ein mechanischer Vorgang, der nur alltägliche Routinen beinhaltet und keine Entscheidungen fordert oder die Auseinandersetzung mit neuen Handlungsabläufen.
Ich funktioniere weiter, nach außen so, als wäre nichts geschehen.
Sie sehen nicht, was in mir ist.
Und ich kann es ihnen nicht zeigen.
Nicht einmal sagen kann ich es, weil mir die entsprechenden Worte fehlen.
Weil den Worten der Ausdruck meines Fühlens fehlt.
Die Worte zu sachlich sind, um zu vermitteln, was in mir ist und so alles in mir bleibt.
In dem Erstarrt-Sein, welches mich vom Außen trennt.
Welches mir unmöglich macht, zu handeln und Entscheidungen zu treffen.
Auch jene nicht, die in dem Brief von mir innerhalb einer vorgegebenen Frist verlangt werden.

Für mein Erstarrt-Sein gibt es keine Frist.

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